Das Monster in unserem Keller
Philo S. Spinsky
Die Redaktion warnt: Dieser Mann ist gefährlich für Ihre geistige Gesundheit!
STECKBRIEF EINES AMOKLAUFS
Geschlüpft: 1963 in Hamburg, zwischen Wirtschaftswunder-Euphorie und Pillenknick
Tagesjobs: Kisten schleppen, Nachtportier spielen, Computeranleitungen fälschen
Obsessive Störung: Perry Rhodan (hat seit seinem 12. Lebensjahr keinen verdammten Band ausgelassen)
Aktivitätsphase: wenn normale Menschen im REM-Schlaf sind
Geistige Virenstämme: Norman Spinrad, Hunter S. Thompson, Charles Bukowski, Philip K. Dick
Kontaktaufnahme: per Fax (kein Witz, der Typ hat wirklich noch ein Faxgerät)
Biotop: Chaoshöhle in Hamburg, vollgestopft mit Rhodan-Romanen, US-Pulp, Schund-Illustrierten der 60er und 70er, dazu massig Vinyl
Korpus Delikti: "Transistorratten", "Neuronale Abgründe", "Totalschaden", "Chronik des Zerfalls"
WARNUNG: BISSIGES TIER!
Wenn Spinsky einen Raum betritt, sinkt die Raumtemperatur um fünf Grad. Der 62-jährige Hamburger trägt den Gesichtsausdruck eines Mannes, der gerade festgestellt hat, daß jemand in seinen Kaffee gespuckt hat – und ihn trotzdem austrinken wird. Die grauen Haare zu lang für Spießer, zu ungepflegt für Hippies. Die abgewetzte Lederjacke sieht aus, als hätte sie mehrere Schlägereien überlebt.
Wir von HACKFLEISCH sind verdammt stolz, diesen Irren in unseren Reihen zu haben. Nicht, weil er "gut schreibt" – solchen Scheiß sagen Kulturredakteure über harmlose Romanciers. Sondern weil Spinsky eine wandelnde Zeitbombe ist, die wir mit Benzin übergossen und mit einer Streichholzschachtel in der Hand auf unsere Leser loslassen können.
Geboren als Philipp Steimer in einem Hamburger Vorstadtloch, wuchs Steimer (sein Sklavennamen-Eintrag im Personalausweis) zwischen einem dauernd abwesenden Fernfahrer-Vater und einer Zahlen-besessenen Buchhalter-Mutter auf. Statt Zuneigung bekam er Ruhe – und füllte die emotionale Leere mit Büchern, die sein Gehirn wie ein Parasit befallen haben. in einem Hamburger Vorstadtloch, wuchs Steimer (sein Sklavennamen-Eintrag im Personalausweis) zwischen einem dauernd abwesenden Fernfahrer-Vater und einer Zahlen-besessenen Buchhalter-Mutter auf. Statt Zuneigung bekam er Ruhe – und füllte die emotionale Leere mit Büchern, die sein Gehirn wie ein Parasit befallen haben.
Mit 12 inhalierte er seinen ersten Perry Rhodan-Roman – der Beginn einer toxischen Beziehung, die bis heute anhält. Trotz seiner ständigen Beschimpfungen ("organisierter Betrug am Leser", "recycelter Weltraumfaschismus") hat er keinen einzigen Band verpaßt. Eine zwanghafte Sucht, die er kultiviert wie andere ihre Alkoholabhängigkeit.
Nach einer Schullaufbahn, die ein Sozialarbeiter als "chaotisch" und sein Direktor als "terroristisch" bezeichnete, folgte das übliche Überleben am Rande: Kisten schleppen, Nachtwache schieben, technische Handbücher verfassen – Jobs, bei denen er minimalen menschlichen Kontakt hatte und maximale Zeit zum nächtlichen Ausbrüten seiner Wahnvorstellungen.
Mit 30 wechselte er seine Identität wie eine Schlange ihre Haut und nannte sich Philo S. Spinsky – zusammengeschustert aus den Namen seiner geistigen Infektionsquellen. Nicht daß er sich als deren Erbe sieht. "Die haben die Tür aufgetreten, ich pisse jetzt auf den Teppich", fasst er seine literarische Mission zusammen.
NACHTSCHICHT IM SCHLACHTHAUS DER REALITÄT
Spinsky "schreibt" nicht – er kotzt Sprache. Seine Texte sind keine Kommunikationsakte, sondern Exorzismen. "Ich entferne Fremdkörper aus meinem Hirn, bevor sie metastasieren", behauptet er. Diese Erbarmungslosigkeit macht seine Arbeiten so herrlich toxisch – das Lesen fühlt sich an, als würde man Zeuge eines psychischen Zusammenbruchs in Echtzeit.
Seine ersten Gehversuche im Textterrorismus machte er 1989 mit einer Geschichte über kannibalistische Fernsehgeräte in einem Untergrund-Magazin, das nach drei Ausgaben pleite ging. Sein erstes größeres Verbrechen war "Transistorratten" (1996) – ein 160-Seiten-Anfall über eine Gesellschaft, in der Gehirnimplantate regierungskritische Gedanken löschen. Ein Text, der heute erschreckend hellsichtig wirkt, während er damals bloß wie das Gefasel eines Aluhutträgers klang.
Der entscheidende Ausbruch aus der Sicherheitsverwahrung des Undergrounds kam 2001 mit "Neuronale Abgründe". Was als Nischenprodukt für Psychonauten begann, entwickelte sich zum Untergrund-Kultbuch. Keine "Karriere" – eher eine Infektion mit langsamer Ausbreitung.
Auf dem Seziertisch zerlegt, zeigt Spinskys Textproduktion eine schizophrene Mischung aus knochentrockenem Zynismus und halluzinatorischem Fieberwahn. Typischerweise beginnen seine Stücke in einer erkennbaren Wirklichkeit – wie der Köder in einer Falle – nur um dann in surreale Alptraumszenarien zu kippen, aus denen es kein Entkommen gibt. "Wie ein langsamer Drogentrip, bei dem du erst bemerkst, daß der Drink vergiftet war, wenn du schon auf dem Boden kriechst", wie ein verblüffend ehrlicher Kritiker schrieb, bevor er seinen Job verlor.
Seine produktivste Phase der Realitätszerstörung begann 2008 mit einer Serie von Texten, die die Grenzen zwischen Bericht, Fiktion und Wahnvorstellung einrissen. In "Totalschaden" (2010) protokollierte er seinen eigenen mentalen Zusammenbruch mit der klinischen Präzision eines Pathologen, der seine eigene Autopsie durchführt. "Chronik des Zerfalls" (2012) beschrieb die langsame Auflösung einer deutschen Kleinstadt durch eine mysteriöse Krankheit, die geometrische Muster auf der Haut erzeugt – erzählt durch Tagebucheinträge, Polizeiberichte und Kirchenregistrierungen.
DER HAUSGEMACHTE TERRORIST
Im sogenannten "Privatleben" – als ob bei diesem Typ irgendetwas privat wäre – kultiviert Spinsky die Isolation wie ein Bakteriologe seine Petrischalen. Die meisten Menschen erträgt er "maximal drei Stunden, bevor ich anfange, Mordphantasien zu entwickeln." Seine Hamburger Höhle dient als Bunker gegen die Außenwelt und Brutstätte für neue Textmonstrositäten.
Eine besonders eitrige Wunde in seiner Psyche ist die Beziehung zu seinem 28-jährigen Sohn. "Ich war ein komplettes Versagen als Vater, nicht weil ich ein Arschloch bin, sondern weil ich keine Ahnung hatte, wie man diese sozialen Rituale durchführt", gibt er in einem seiner seltenen Momente der Selbsterkenntnis zu.
Sein Arbeitsrhythmus ist so gestört wie seine Persönlichkeit. Er tippt nachts, "wenn der Rest der Welt im Tiefschlaf seine Mainstream-Träume träumt", trinkt literweise schwarzen Kaffee und raucht Zigaretten – der letzte Dinosaurier vor dem digitalen Asteroiden. Mit der Außenwelt kommuniziert er hauptsächlich per Fax, "weil ich beim Aufschreiben von Briefadressen immer die Hausnummer vergesse und E-Mails zu sehr nach Büroarbeit schmecken."
UNSER MANN FÜR DIE SCHMUTZIGEN JOBS
Für HACKFLEISCH ist Spinsky wie ein Kampfhund, den wir von der Kette lassen, wenn es Zeit für eine Beißattacke ist. Seine Texte bewegen sich genau auf jener blutigen Grenze zwischen Schund und Tiefgang, die wir kultivieren wie andere ihre Bio-Tomaten.
"Spinsky ist wie ein Unfall auf der Autobahn – man will nicht hinschauen, aber man kann nicht wegsehen", sagt HACKFLEISCH-Chef Karl Nagel. "Seine Texte haben die Konsistenz von rohem Fleisch, das zu lange in der Sonne lag – faszinierend in ihrer fortschreitenden Verwesung."
In der deutschen Textlandschaft existiert Spinsky wie ein radioaktives Leck neben einem Kindergarten – zu gefährlich, um ignoriert zu werden, zu kontaminierend, um eingemeindet zu werden. Für den Mainstream-Literaturbetrieb (diese Bezeichnung würde er hassen) hat er nur Verachtung übrig: "Ein Zirkel gegenseitiger Wichsvorlagen", wie er es nennt. "Sie produzieren Texte wie IKEA Möbel – Massenware aus vorgefertigten Teilen, die nach dem dritten Umzug auseinanderfällt."
Warum also Spinsky lesen? Aus demselben Grund, aus dem man einen Horrorfilm schaut oder in eine Geisterbahn steigt – weil man die Angst genießt, solange man weiß, daß man wieder aussteigen kann. Seine Texte wirken wie ein "Virus, der sich in eurem Hirn einnistet und eure vorherigen Überzeugungen infiziert." HACKFLEISCH hat diesen Mann nicht "entdeckt" – wir haben ihn auf euch losgelassen wie eine Biowaffe.
Ein schmieriger Kulturjournalist nannte Spinsky einmal "den wichtigsten Autor, den niemand lesen will." Wenn das stimmt, dann ist HACKFLEISCH stolz, genau der Brutkasten für diesen Krankheitserreger zu sein – ein Magazin für Leser, die bereit sind, sich freiwillig mit dem zu infizieren, was unter der polierten Oberfläche unserer optimierten Gesellschaft schwärt.
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