Die unheiligen Bekenntnisse des Philo S. Spinsly

Ihr erwartet jetzt wahrscheinlich die übliche Lebenslauf-Scheiße. Geboren da und da, aufgewachsen soundso, Lehrer sagten dies, Eltern jenes. All der biografische Müll, der angeblich erklärt, warum man so geworden ist, wie man ist. Vergeßt es. Baut euch kein Spinsky-Schrein in euren traurigen Köpfen. Ihr werdet mich trotzdem nicht verstehen.

Aber Karl besteht darauf, daß ich "etwas Persönliches" abliefere. "Die Leser wollen den Menschen hinter den Texten kennenlernen, Phil." Bullshit. Die Leser wollen Blut sehen. Mein Blut, vorzugsweise. Also gut, ihr bekommt euren Fetzen rohen Fleisches.

Ich wurde in den Sechzigern geboren, als die Beatles noch frisch waren und die Welt noch glaubte, daß Musik etwas verändern könnte. Meine Eltern – Vater Fernfahrer, Mutter Buchhalterin – haben mich hauptsächlich in Ruhe gelassen. Das war ihr größtes Geschenk an mich. Eine gesunde Vernachlässigung. Keine elterlichen Ambitionen, die meinen ersticken konnten. Stattdessen Bücher. Hunderte. Tausende. Mein Vakuum füllte sich mit fremden Welten.

Mit zwölf entdeckte ich Perry Rhodan. Ja, verdammt, lacht nur. Eine deutsche Heftserie über einen amerikanisachen Astronauten, der die Menschheit ins All führt und unsterblich wird. Pulp in seiner reinsten Form. Ich habe seitdem keinen Band ausgelassen. Nicht weil sie gut sind – die meisten sind dramaturgischer Dünnschiss –, sondern weil ich wissen will, wie es weitergeht. Die Serie ist wie ein kaputtes Fenster, durch das man auf eine alternative Geschichte der Menschheit blickt. Eine Geschichte, in der wir nicht in unserem eigenen Dreck ersticken.

Nach der Schule – mehr Schulwechsel als Zeugnisse – begann der typische Überlebenskampf. Lagerarbeiter, Nachtportier, Computermanual-Schreiber. Jobs, die einem genug Geld geben, um nicht zu verhungern, und genug Zeit lassen, um nachts zu schreiben. Der Name? Philo S. Spinsky ist ein Kürzel meiner literarischen DNA: Norman Spinrad, Hunter S. Thompson, Charles Bukowski, Philip K. Dick. Aber erwähnt das nicht zu oft. Ich bin kein verdammter Fanboy. Ich will meine eigenen kranken Ideen entwickeln, nicht ihre recyceln.

Im echten Leben heiße ich Phil. Nur Phil. Der Rest ist für Steuerformulare und Grabsteine.

Warum schreibe ich? Nicht, um etwas zu sagen. Ich schreibe, um etwas loszuwerden. Der Unterschied? Das eine ist Kommunikation, das andere Exorzismus. Meine Texte sind keine Botschaften. Sie sind Fremdkörper, die ich aus meinem Hirn entferne, bevor sie metastasieren.

Die meisten Schriftsteller sind arme Schweine, die zu viel Bestätigung brauchen. Zu unsicher für einen echten Job, zu eitel für echte Einsamkeit. Sie schreiben, um geliebt zu werden. Ich brauche eure Liebe nicht. Ich brauche eure Neuronen. Ich will meine Gedanken in eure Schädel pflanzen wie kleine Zeitbomben.

HACKFLEISCH zu schreiben, ist eine Erleichterung. Karl gibt mir freie Hand. Keine Marketingabteilung, die meine Ecken abschleift. Keine Lektoren, die meine Sätze mit dem Rotstift kastrieren, weil sie zu "aggressiv" oder "verstörend" sind. Wenn euch meine Texte verstören – gut. Die Realität ist verstörend. Ich liefere nur die Vergrößerungslinse.

Was meine "Karriere" angeht: 1989 erste Geschichte in einem Underground-Magazin, 1996 "Transistorratten", 2001 "Neuronale Abgründe". Der Rest ist eine Aneinanderreihung von Texten, die zu unbequem für den Mainstream und zu strukturiert für den Underground waren. Ich falle durch alle Raster. In einem Land, das seine Autoren in säuberlich beschriftete Schubladen einsortiert, bin ich der Zettel, der zwischen die Ritzen gefallen ist.

Mein Schreibstil? Direkt bis zur Brutalität. Wenn ich eine Landschaft beschreibe, ist es, weil jemand darin sterben wird. Wenn ich einen Dialog schreibe, dann um zu zeigen, wie grundlegend Menschen aneinander vorbeireden. Ich schreibe keine "schönen" Sätze. Schönheit ist ein Ablenkungsmanöver. Die Wahrheit ist hässlich, also müssen es meine Sätze auch sein.

Familienleben? Habe einen Sohn, 28, den ich selten sehe. Meine Schuld. Ich war ein Scheißvater. Nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus Unfähigkeit, die dazugehörigen sozialen Rituale auszuführen. Beziehungen? Kurz und intensiv, bis meine Besessenheit oder ihre Erwartungen alles ruinieren. Meist beides gleichzeitig.

Die meisten Menschen ertrage ich maximal drei Stunden am Stück. Danach muß ich allein sein oder explodiere. Meine Nachbarn halten mich für einen Einsiedlerkrebs. Nicht falsch. Ich brauche meine Höhle – vollgestopft mit Büchern, Schallplatten, Comics. Nachts schreibe ich, während der Rest der Stadt schläft. Das minimiert unerwünschte soziale Interaktionen.

Literarische Ambitionen? Ich habe keine "Karriereplanung". Ich will nur gut genug schreiben, um meinen inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen – diesen sadistischen Bastard, der bei jedem Satz flüstert: "Nicht gut genug. Nie gut genug." Vielleicht schreibe ich irgendwann einen Gastroman für Perry Rhodan. Um den Pappnasen in der Redaktion zu zeigen, was für ein Potential sie verschenken. Aber regulärer Serienautor werden? Niemals. Zu viele Vorgaben, zu wenig Freiraum für den Wahnsinn.

Über den deutschen Literaturbetrieb könnte ich stundenlang kotzen. Ein Zirkel gegenseitiger Masturbation. Sie produzieren Texte wie IKEA Möbel – Massenware aus vorgefertigten Teilen, die nach dem dritten Umzug auseinanderfällt. Erfolg ist verdächtig. Wenn zu viele Leute deine Arbeit mögen, hast du wahrscheinlich etwas falsch gemacht.

Warum solltet ihr meine Texte in HACKFLEISCH lesen? Keine Ahnung. Vielleicht weil ihr euch nach etwas sehnt, das eure komfortable Realität erschüttert. Vielleicht weil ihr insgeheim wißt, daß hinter der polierten Oberfläche unserer Konsumgesellschaft etwas Monströses lauert. Ich zeige euch dieses Monster – nicht mit atmosphärischen Beschreibungen und kunstvollen Metaphern, sondern mit der nackten, hässlichen Wahrheit.

Ein letztes Wort: Wenn ihr nach dem Lesen meiner Texte normal weiterleben könnt, habe ich versagt. Ein guter Text sollte wie ein Virus sein, der sich in eurem Hirn einnistet und alle vorherigen Überzeugungen infiziert. Er sollte euch den Schlaf rauben und neue Synapsen erzwingen. Er sollte euch zwingen, die Welt mit anderen Augen zu sehen – selbst wenn ihr diese neue Sicht haßt.

Und jetzt entschuldigt mich. Mein Kaffee wird kalt, und die Nacht ist noch jung. Es gibt Dämonen zu exorzieren.

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