Feierabend

Die Sonne war gerade untergegangen, Romantik machte sich breit.

»Ich brauche deine Liebe!«, sagte Ricki. »Sie ist die Delikatesse, die mein Leben versüßt. Gib mir mehr davon, deine Brüste, deine Möse, deinen Saft! Den Apfelkuchen, den besten der Welt! Du bist eine unvergleichliche Hausfrau, und wenn du dich durch die Wohnung wischt, würde meine Mutter – Gott hab sie selig – vor Neid erblassen. Ich träume von dir, jede Nacht. Von deinen langen, scharfen Fingernägeln und dem Loch in deinem Backenzahn, in dem sich die Essensreste sammeln, wenn du deine Zähne nicht putzt. Was für ein herrlich fauliges Aroma! Niemals würde ich eine andere Frau küssen! Ich bin dir hoffnungslos verfallen, ich liebe dich!«

Dani war sprachlos. Dann ergriff sie das Fleischmesser und schlitzte mit einer schnellen Bewegung die Kehle des jungen Dings auf, das gefesselt und geknebelt am Küchentisch saß. Ihr Blut spritzte in alle Richtungen, da würde es hinterher wieder einiges sauberzumachen geben. Aber das machte nichts, sie war ja Profi, wie Ricki treffend festgestellt hatte.

Schließlich fand Dani doch noch Worte.

»Ich liebe dich auch«, sagte sie leise, schnitt dem Mädchen das linke Auge aus der hübschen Visage und reichte es ihrem Liebsten, der es sogleich in den Mund steckte und schmatzend verzehrte

Die Sonne ging unter, und sie hörten, wie der alte Müller schweren Schritts die Treppe hinaufstiefelte. Der wohnte in der Zwei-Zimmer-Wohnung nebenan, hatte ’nen harten Job und freute sich bestimmt auf den verdienten Feierabend. Er lebte allein, seine Alte war ihm schon vor Jahren davongelaufen.

Womit vertrieb der sich eigentlich die langweiligen Abende?

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