MIT CLAUDIA IM BETT, SOZUSAGEN: Ich sitze im Büro von Claudia Roth, der Kulturstaatsministerin. Ja, PUNKFOTO ist ein tolles, engagiertes, spannendes Projekt, sagt sie, und 30.000 Euro Förderung jährlich, das ist hinzukriegen. Sie zwinkert verschwörerisch mit dem linken Auge, bevor sie fortfährt: Aber natürlich müßten Sie PUNKFOTO dann noch mal auf einige Richtlinien abklopfen … keine sexuelle oder rassistische Diskriminierung etwa, das ist doch heutzutage wie ein ... (Weiterlesen ...)
Nr. 3

Was kost' 'ne Titte?

Freundliche Worte an Unternehmensberater und Trendagenturen

aus »Musik & Rebellion« von Klaus Farin, 1998

Warum könnt ihr nicht einfach sterben? Ja, genau, ich mag euch nicht, warum sollte ich? Im Dienst einer unersättlichen Maschine seid ihr darauf aus, uns auszuplündern, um anschließend die Beute derart gründlich durch die Jauchegrube zu ziehen, daß sie wertlos wird. Weil sie nun zum Himmel stinkt.

Ihr zieht uns aus bis aufs letzte Hemd und erforscht selbst unsere Arschlöcher mit Hallogentaschenlampen hoch bis zum Zwölffingerdarm, damit bloß keine Anregung für neue Marketingstrategien verloren geht. Die herrlichsten Gefühle, Ideen, Gesänge und auch Dinge werden von euch in hohle Produkte verwandelt – ich kann nicht mal mehr das Wort »Liebe« aussprechen, ohne daß es mich schüttelt.

Uff, das liest sich sehr provokativ und auch systemkritisch, gehört aber in Punkkreisen zum guten Ton. Man ist irgendwie »links«, kotzt sich aus über »Kommerz« und kämpft in jugendlichem Leichtsinn für »Anarchie«. Die Punk-Fundamentalisten haben eben – noch – nicht gemerkt, daß das Leben schön sein kann.

HALT – Ich glaube, ihr verwechselt da was! Nicht die Punks, sondern IHR wählt links oder grün, seid aufgeschlossen und »fortschrittlich«, gegen »Ausgrenzung alternativer Kulturformen«. Gegen Vorurteile, sei es gegen Ausländer, Penner oder auch Punks! Schließlich wollt ihr an ALLE verkaufen, nicht nur an deutsche Schlipsträger!

Das freut uns, und zum Dank für dieses menschenfreundliche Verhalten wünsche ich euch ein paar wohlplatzierte Schläge in die Fresse. Das ändert zwar nichts am Gesamtproblem, würde aber uns und euch die Erkenntnis verschaffen, daß Marktforschung ganz schön weh tun kann. Scheiße nur, dass ich selbst kein Schläger bin; glücklicherweise gibt es a) gewaltaffine Mitmenschen und b) die Möglichkeit, euch zumindest verbal in die Fresse zu kotzen.

Dabei sollte euch doch Karl Nagel, der Punk vom Dienst, erklären, wie es denn um die Verweigerungshaltung der Punks bestellt ist! Wie all die anderen Narren, die für 2,50 DM bereit sind, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Gibt ihnen anscheinend ein gutes Gefühl - man klärt auf, verbreitet die Wahrheit über die Szene und kann so helfen, Vorurteile abzubauen.

Bringen wir nach so viel Nebelkerzen lieber die Dinge auf den Punkt: Die angebliche Verweigerungshaltung der Punks besteht darin, für die ganzen bunten Waren, die uns irgendwer dank eurer Unterstützung andrehen will, nicht auch noch BEZAHLEN oder gar ARBEITEN zu wollen! Wo doch jeder weiß, daß es viel schöner wäre, sich in den Kaufhäusern begehrenswerte Dinge einfach zu NEHMEN! Davon gibt es ja eine ganze Menge, und der Werbung sei Dank weiß jeder, was das Leben schöner macht! Dumm nur, dass das Eigentum hierzulande geschützt ist und man schnell in den Knast wandert, wenn man von eifrigen Kaufhausdetektiven und Bullen bei Diebstahl und Einbruch erwischt wird!

Da kommen sicher nostalgische Gefühle bei manchen von euch auf. Weil der eine oder andere selbst mal Punk oder was Artverwandtes war - oder gar '68 mit Rudi Dutschke in der ersten Reihe stand!

Aber, sagt ihr, liebe Punker, aufgepaßt: Im Supermarkt zu klauen ist okay, die haben’s ja. Beim Öko-Bäcker die Brötchen zocken ist jedoch BÖSE. Auch nicht dem Plattenladen um die Ecke die Regale ausräumen! NEIN! AUS! Denn die gehören ja zu UNS, und da wir ja alle irgendwie gegen das System sind und für eine saubere Umwelt … BRÖÖÖHRRR!

Euer Gelaber stinkt zum Himmel! Ihr wollt die Explosion des Kessels verhindern und vermeiden, daß immer mehr Kaputte ihrer zerstörten Seele freien Lauf lassen und zum Beispiel bei McDonald’s mit der Maschinenpistole aus Kindern Hamburger machen. Ihr SCHISSER!

Eure Moralpredigten sollen den Zerfall der »Zivilisation« in ihre Exkremente bis zum Gehtnichtmehr hinauszuzögern, schon klar. Währenddessen Ihr Euch ins Eigenheim am Stadtrand zurückzieht oder von Nutten die Eier oder sonstwas schaukeln läßt. Finanziert mit Marktforschung. Spaß am Untergang mal anders.

Solcher Heuchelei hat Punk schon immer ins Gesicht geschissen, und deshalb solltet ihr ihn gefälligst HASSEN! Achtet auf eure Wertsachen, auf eure stilvoll und teuer eingerichteten Wohnungen, auf eure Fickpartner! Schneller als gedacht, könntet ihr ohne all diese Spielzeuge darstehen, weil ein netter Punk eure Geldbörse klaut, eure Wohnung zuscheißt und schließlich den Fernseher aus dem Fenster schmeißt. Und nicht vergessen, deine Freundin fickt, deinen Freund fickt, immer schön korrekt. Weil, Punks haben zwar weniger Kohle und billigere Klamotten, aber dafür größere Schwänze und dickere Titten. Das wäre doch mal eine Marktanalyse wert, oder?

Wenn ihr mehr wissen wollt, fragt einfach die kleinen und großen Firmen, die mit Produktion, Verkauf und Versand von Punkscheiben und -klamotten ihr Geld verdienen. Die werden bereitwillig eure Fragebögen ausfüllen, denn Sie möchten, daß ihr Marktsegment wächst und gedeiht. Am besten ohne Krawall und Chaostage, versteht sich. Könnten ja die eigenen Platten geplündert werden.

Das zum Thema Jugend und Punk. Scheiße nur, daß ich schon 34 bin und überhaupt nicht mehr punk. Aber ich habe wenigstens ein gutes Gedächtnis.

ANMERKUNG DES AUTORS: »Der Text entstand, als mich 1995 eine Trendagentur o.ä. Geschmeiß kontaktierte. Wer, wie, was, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Sie wollten jedenfalls im Rahmen einer Studie das Konsumverhalten in Subkulturen untersuchen. Schöne Gelegenheit, dachte ich, knackte die Prinzenrolle und legte los.

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