Nr. 31

Ein Wichser

aus »Schlund«, 2018

Hey, wie war das mit diesem blöden Samenerguss, den man als normal entwickelter Junge im Alter von etwa dreizehn Jahren zum ersten Mal haben sollte? Selbst mit fünfzehn tat sich bei mir nichts!

Das war sogar meiner Mutter schon aufgefallen: »Bei anderen Jungs kommt’s aus dem Schniedel, bei dir aus der Nase«, sagte sie, als ich mal wieder wegen Heuschnupfen von früh bis spät Tempos vollrotzte.

Nicht, dass da in Sachen Versteifungen bei mir nichts ging: Wenn ich meinen Johnny ordentlich rieb, dann streckte und reckte er sich zwar in die Höhe, wie es sich gehört. Allerdings wohl mehr aus Verzweiflung, denn sonst passierte nichts. Kein mysteriöser »Orgasmus«, kein »Samenerguss«, nichts von all den Dingen, über die ich von der Bravo in den Jahren zuvor gründlich aufgeklärt worden war.

Ich stellte es mir gruselig-eklig vor, wie dieses schleimige Zeugs aus meinem Pimmel herausquellen würde … BÄH!

Einen ersten Eindruck hatte mir vor einiger Zeit Berger verschafft: Er hatte mir was vorgewichst und gebrüllt: »Schau hin! Los! Gleich kommt’s!« Angesichts des grauenerregenden Anblicks hatte ich mich vom Acker gemacht und seitdem nur Verachtung für die Wichser dieser Welt übrig.

Bis sich dann eines Tages ein paar Stellschrauben neu justierten.

Ich lag auf dem Bett, in Unterwäsche, denn es war ein heißer Tag. Ich widmete mich einem Perry-Rhodan-Heft und wollte per Phantasie tief in den Weltraum fliegen. Und war doch nicht bei der Sache. Wälzte mich von einer Seite auf die andere. Eine nicht fassbare Unruhe ergriff mich, ich raffte nicht, was Perry gerade in der Galaxis Andromeda trieb. Schließlich blieb ich auf dem Bauch liegen, beide Hände an der oberen Bettkante, um abwechselnd zu ziehen und zu drücken, ein kräftiges Hin und Her, immer schneller, ungestümer, heftiger!

Dann gab es urplötzlich eine Art … Knall? Kann man das so sagen? Na, egal, auf jeden Fall fuhr ich im Affentempo mit dem Aufzug gen Himmel, und die Erkenntnis durchflutete mich in einem wohligen Schauer: DAS IST ER! DAS IST DER SAMENERGUSS! GLEICH! VERDAMMTE SCHEISSE!

Ich war dermaßen perplex, dass ich diesen historischen Moment nicht genießen konnte, sondern mich sofort auf den Rücken warf und in hektischer Verzweiflung nach einer Möglichkeit umsah, die zu er-

wartende Schweinerei abzuwenden.

Gott hatte ein Einsehen und schickte den Helfer jedes eifrigen Wichsers – ein Tempo! In letzter Sekunde gelang es mir, das Taschentuch über den Schwanz zu halten, so dass die heraussprudelnde Ladung dort landete, wo sie hingehörte – also nicht in der Unterhose und auch nicht im Bett!

Als ich wieder zu Sinnen kam, begann ich nachzudenken. Die Wichserei war gar nicht so übel, wie ich zuvor angenommen hatte. Sie bereitete eindeutig Freude – wenn es gelang, keine verräterischen Spuren der Bescherung zu hinterlassen. Die Vorstellung, meine Mutter könnte dahinterkommen, dass ich mich einem neuen Hobby zugewandt hatte, gefiel mir nicht.

Ich legte eine zweite Runde ein. Und stellte fest, dass es half, wenn ich mir nackte Mädchen mit großen, wackelnden Brüsten vorstellte – das sorgte für eine wildere Grundstimmung und einen härteren Schwanz. Und diesmal war ich bestens vorbereitet, als es im Karton rappelte: Schwengel in der einen, Tempo in der anderen Hand, keine Panik bremste den Genuss.

Und warum nicht gleich ein drittes Mal hinterher, ja, warum nicht? Leichter gesagt als getan: Ich rieb und rieb, bis mir der Schweiß auf der Stirn stand und die Nille heißzulaufen begann.

Nach schier endlos erscheinender Rubbelei die Erlösung: ein kurzes heißes Gefühl, gefolgt von der Erkenntnis, dass der Wichserei Grenzen gesetzt waren.

Die folgenden Tage hatte ich keine Lust, erneut Hand anzulegen. Das Ding war wund, rot, geschwollen und tat beim Pissen weh. Zeit für eine kleine Pause also. Danach konnte es mit wachsender Professionalität weitergehen, und nach jedem erfolgreichen Raketenstart landete ein benutztes Taschentuch auf dem Kleiderschrank.

Abgesehen davon musste ich etwas dagegen unternehmen, dass ich keine Bilder von nackten Mädchen besaß. Sich ausschließlich auf die Phantasie zu verlassen, ist eine mühselige Angelegenheit. Und Ingrid Steeger ließ ja nur einmal monatlich in Klimbim ihre Brüste wackeln.

Ich durchwühlte bei abendlichen Altpapier-Touren Mülltüten nach Exemplaren von Wochenend, Praline oder Quick. Manchmal fiel mir der eine oder andere Playboy in die glibberigen Finger. Ein Fest der Onanie feierte ich, als ich eine ganze Kiste mit St.-Pauli-Nachrichten fand. Die wirkten so billig und schmutzig, verdorben und minderwertig, dass mir der Handbetrieb doppelt Feuer in den Eiern machte. Ich schnitt die besten Bilder aus und besaß nun klasse Wichsvorlagen.

Mir war dennoch nicht ganz wohl in meiner Haut. Ich war jetzt ein Wichser und hatte ein schlechtes Gewissen! Dabei hatte ich mich köstlich amüsiert, als ich in der Bravo bei »Dr. Sommer« einen bizarren Leserbrief fand, versehen mit der Überschrift »Kriegt man vom Onanieren Haarausfall?« Das Gruselmärchen, das Dirks Mutter ihrem Jungen aufgetischt hatte, war ebenfalls ein Witz: »Jeder Mann hat nur 3000 Schuss!«, schärfte sie ihm ein, um der Onanie einen Riegel vorzuschieben.

Das war alles Quatsch, klar! Trotzdem fühlte sich das ewige Rumgerödel falsch an. Laut gängiger Sexualtheorie gehörte ein Penis in die Scheide, nicht die Hand, dachte ich. Aber davon war ich weit entfernt, ohne Freundin, ohne Verliebtsein, ohne alles. Ich ahnte, dass der verdammte Schwanz noch für viel Ärger sorgen sollte.

Sicherheitshalber machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber – »Morgen ist auch noch ein Tag, die Zukunft kommt nie«, so die Devise.

Dass diese Herangehensweise kurzsichtig war, dämmerte mir, als meine Mutter eines Tages beim Putzen den Berg erstarrter Tempos auf dem Kleiderschrank entdeckte.

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