Zerstört das Internet!

„Ceterum censeo internetum esse delendam – Im Übrigen bin ich der Meinung, daß das Internet zerstört werden muss“

Ich bin hier, weil ihr hier seid. Ihr seid hier, weil so viele andere hier sind. Wir alle folgen der Masse, weil Alleinsein ziemlich scheiße ist. Dann lieber bei Facebook Likes verteilen und einsammeln, oder was? Das ist es, was aus uns geworden ist: Handlanger, Abnicker und bestenfalls Jammerlappen!

Vor langer, langer Zeit wagten wir einen Ausbruch aus der Konformität und wollten selbst die Spielregeln bestimmen – Stichwort PUNK! Wir ließen uns die Schädel einschlagen beim Kampf um Selbstbestimmung, doch nun akzeptieren wir, daß wir im Internet NICHTS zu sagen haben. Stattdessen geben wir den mächtigsten Unternehmen der Welt eine Schlüsselposition in unserem politischen, kulturellen und oft auch privaten Leben.

In asozialen Medien wie Facebook verkommen wir dann endgültig zu einer feigen Bande Weicheier und Schleimer, die genau weiß, was ungestraft geht und was nicht. Wir befolgen die Regeln, und den meisten tut es noch nicht mal weh. Sie fühlen sich ganz wohl im Reservat, im Kreise der Lieben. So herrlich bequem. Der Papa wird’s schon richten.

Manche heulen noch die alten Indianergesänge in markigen Texten und Videos, aber das sind nur hohle Phrasen für die Touristen, die einen Blick auf die abgehalfterten Revolutionsdarsteller werfen wollen. Wie heroisch, bei Facebook und Konsorten gegen Nazis und AfD zu wettern und gleichzeitig den Monstern täglich die Weichteile zu lecken! Schöne Freunde haben wir!

Als ich 1994/95 die ersten Exkursionen ins damals für uns alle neue Internet unternahm, war ich begeistert von schier unendlichen Möglichkeiten. Dezentral organisiert, bot sich ein kaum kontrollierbarer Dschungel, ideal für Experimente aller Art. Wer da überlegte, abgezäunte Bereiche zu errichten, in denen kommerzielle oder politische Alphatiere aller Art das alleinige Sagen hatten, wurde ausgelacht. Denn im Web von einst konnte jeder selbst bestimmen, wohin die Reise ging, es gab keine unüberwindlichen Mauern, niemand wischte dir den Arsch ab. Man mußte selbigen schon selbst in Bewegung bringen, um das Internet nutzen zu können. Keine Verlockungen a la „Fix registrieren, loslegen, 1000 Freunde“.

Heute lache ich nicht mehr. Denn viele Menschen haben sich freiwillig fürs Betreute Wohnen entschieden und verbringen den Großteil ihrer Online-Zeit in den Arealen mächtiger Medienkonzerne.  Wenn ich versuchte, mich aus diesem Knast für Debile abzuseilen, saß ich doch jedes Mal zuletzt wieder mit der Eisenkugel am Bein in der Zelle.

Du fragst mich, warum ich nicht einfach den Stecker ziehe und auf das Web SCHEISSE! Auf Facebook, meinen Blog, auf ALLES! Schlanke Lösung, ganz einfach. Na los, Karl – oder HALT DIE FRESSE!

Spar dir dein höhnisches Grinsen und alle verlogenen „Vorschläge“ –  jede Band, jeder Autor weiß, daß nichts mehr geht ohne Facebook-Seite, wenn du mit deinem Zeugs außerhalb der eigenen vier Wände irgendwen erreichen willst. So sieht die schöne neue Welt jetzt eben aus. Vergiß Blogs wie diesen hier –  da kannst du dich abstrampeln wie ein Blöder, aber wenn dein Scheiß nicht auf Facebook, Instagram, Twitter & Konsorten verlinkt ist, kriegt das kaum wer mit. Der Dschungel verschwindet und wird durch einen riesigen Parkplatz ersetzt. Mit vielen schönen, neuen Autos drauf.

Wir sind alle gekauft. Wir wollen in der Welt des Overkills kein einsamer Niemand sein, sondern wahrgenommen werden. Wir wollen unsere Musik oder anderen Schrott verkaufen, wollen ficken, schingeln und schangeln. Ein leichtes Spiel für die Monster und ihre verführerischen Geschlechtsteile, deren Ausdünstungen wir kaum widerstehen können.

Die Web-Monokultur ist längst ein Puff, den man allerhöchstens über den Klick auf einen Facebook- oder Twitter-Link kurzfristig verlässt. E-Mail war gestern, und Freiheit wird zur Bedrohung – wie sollen wir uns denn selbst darum kümmern, Gedanken und Ideen auszutauschen? Spinnerei, echt! Die Asozialen Medien sind ein notwendiges Übel – so wie Polizei und Finanzamt!

Ich bleibe also hier, weil Ihr hier seid. Ihr seid die harte Realität, die Fußgängerzone, und ich der Spinner, der immer noch träumt von einer Vielfalt, die sich nicht in Millionen Fertighäusern a la Facebook abbilden lässt.

Falls es ansonsten DIR oder EUCH eines Tages gelingen sollte, das Internet abzuschalten, es zu VERNICHTEN, werde ich auf die Straße rennen und in Jubel ausbrechen. Und anschließend wieder mit Begeisterung Briefe schreiben.

Ja, genau:

WIRF DEN VIRTUELLEN STEIN! ODER LIEBER GLEICH DIE ATOMBOMBE! KAPUTTMACHEN!

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