Ich, ich und nochmals ich!

Ein Pseudo-Interview von und mit Karl Nagel. Die Nabelschau eines alten Sacks.

Beschreibe Dich selbst mit einigen Worten!

Am 9.12.1960 als Peter Altenburg in Wuppertal geboren, nenne ich mich seit 1981 Karl Nagel. Kein „Künstlername“, sondern mein damaliger Punk-Name. 1982 ging’s nach Hannover, 1995 nach Hamburg. Ansonsten bin ich Schundliterat (wegen meiner großen Liebe, den Groschenheften!), Demagoge (wegen APPD und Chaostagen!) und Nestbeschmutzer (weil ich am liebsten im eigenen Dreck wühle!).

Warum nicht bei Nazis, Bullen und Politikern buddeln? Es gibt doch genug Schweinereien jenseits des eigenen Biotops!

Klar, wenn man so eine Nummer abreitet, ist einem der Beifall des eigenen Umfelds sicher – deshalb machen das ja auch so viele! Ich sehe mich aber nicht als Bestandteil einer Armee gegen dies oder jenes, sondern beschäftige mich meistens lieber mit Menschen und Situationen, die ich aus eigener Erfahrung gut kenne. Ich führe seit Jahren mein eigenes Stasi-Archiv – über Leute, die mir begegnen, Dinge, die mir passieren. Dadurch habe ich immer genug Material, aus dem ich schöpfen kann.

Was macht die APPD?

Welche APPD meinst Du? Die ganzen Imitatoren? Meine APPD hat genau ein Mitglied – mich! Ich bin der einzig legitime Vertreter des Pogo-Anarchismus. Punkt. Wer braucht den Rest?

Wann gibt’s die nächsten Chaostage?

Gar nicht. Zumindest keine, mit denen ich was zu tun habe. Die Idee hat sich einfach überlebt. Momentan beschäftigte ich mich allerdings mit dem Gedanken, zu einem „Marsch der Gestörten“ aufzurufen. Da hat man eine viel größere Zielgruppe, nicht nur Punks.

Wovon lebst Du?

Von Zahlungen des Jobcenters. Bis vor drei Jahren verdiente ich recht gut in meinem Job als freiberuflicher Web-Entwickler, aber dann explodierte mein Kopf. Seitdem bin ich nicht mehr in der Lage, täglich 8 Stunden zu coden, ohne in Glotzstarre zu verfallen, also Scheiß drauf.

Seitdem bist Du Jung-Autor? Die große Hoffnung des Feuilletons?

Richtig. Nun setze ich alles auf eine Karte und schreibe mir nen Wolf – damit ich mir eines Tages von meinen Büchern eine kleine Rente zahlen kam. Sonst kriege ich ja kaum was, mein Rentenanspruch liegt aktuell bei 245€. Mit SCHLUND und REFLUX sind die ersten beiden Bücher raus, die nächsten bereits in der Mache. Zusammengeschraubt als Fortsetzung meines früheren HACKFLEISCH-Fanzines, also zunächst ein Stapel kürzeres Zeugs. Und irgendwann wieder ein Roman. Mein Vorbild ist Heinz Strunk. Der hat 400.000 Bücher von „Fleisch ist mein Gemüse“ verkauft und noch mal bei den Filmrechten abgestaubt. Da will ich auch hin.

Ist es nicht ein bißchen größenwahnsinnig und auch gefährlich, in Deinem Alter alles aufs Schreiben zu setzen?

Klar. Aber das paßt doch gut zu mir, oder?

Was sind Deine Lieblingsautoren?

Dan Shocker, K.H. Scheer, Philip K. Dick, Stephen King, Charles Bukowski, Robert Silverberg, Robert A. Heinlein, Willi Voltz. An Comiczeichnern und Illustratoren mag ich Jack Kirby, Johnny Bruck, Will Eisner, Bill Sienkiewicz, Neal Adams, Bernie Wrightson, Frank Miller.

Wo willst Du Deine nächsten Bücher veröffentlichen?

Im Selbstverlag, total DIY, wahrscheinlich wieder unter dem Namen ALLIGATOR FARM, so wie früher bei meinen Comic-Produktionen.

Warum betreibst Du PUNKFOTO?

Weil ich’s kann. Und weil sich anscheinend niemand sonst diese Arbeit machen will.Und weil es immer noch Tausende interessiert. Und weil das Wühlen in über 29.000 alten Fotos immer wieder Geschichten nach oben spült, die ich auf die eine oder andere Weise verwursten kann.

Warum ist der Zugang nicht frei?

Das hat viel mit juristischen Problemen zu tun, z.B. rund ums „Recht am eigenen Bild“ und die DSGVO. So kann ich die Risiken minimieren. Daneben halte ich es für fair, daß die PUNKFOTO-Nutzer mir für meine Arbeit auch was zurückgeben. Und es ist wirklich ’ne schlanke Sache, an einen PUNKFOTO-Zugang zu gelangen.

Warum sammelst Du Spenden für PUNKFOTO? Warum arbeitest Du nicht umsonst? Das wäre doch viel eher punk!

Tja. Leider ist mir vollkommen egal, was Du oder sonstwer für Punk hält und was nicht. Abgesehen davon gilt: Wenn Du und alle anderen ebenfalls umsonst arbeiten, bin auch ich dabei! Oder wenn sich eines meiner Bücher dermaßen gut verkauft, daß ich in der Kohle schwimme und mir die Taler auf die Glatze prasseln lassen kann! Bis dahin bin ich eben auf Unterstützung angewiesen. Muß aber nicht unbedingt Kohle sein – wer knapp bei Kasse ist, kann aber auch auf andere Weise was zurückgeben: z.B. eine Rezension über mein Buch schreiben, etwa im eigenen Blog, Fanzine oder bei Amazon. Oder mich mit Büchern, Comics, Platten (bitte keine CDs!) zuscheißen. Oder eine Lesung für mich klarmachen. Mir halt einen Gefallen tun und den Arsch bewegen, so wie ich meinen bewege! Möglichkeiten gibt’s massig.

Was machst Du mit den Spenden?

Die verbleiben größtenteils auf dem Konto der Stiftung. Selbige finanziert mir davon Fahrkarten, damit ich in der Gegend herumreisen kann, um Fotos einzusammeln, fürs Schreiben, für Lesungen und Currywürste in meinen Lieblingsbuden. Was übrigbleibt, ist als Reserve gedacht, damit ich auch in schlechten Zeiten meine Projekte durchziehen kann.  Also stell Dich nicht so an – laß Kohle rüberwachsen!

Was denkst Du über Flüchtlinge, die AfD und Politiker allgemein?

Ist mir alles zu viel raus und Halt die Fresse. Ansonsten habe ich entschieden, zu Themen zu schweigen, über die sich schon Millionen andere täglich gegenseitig zubrüllen. Keine Chance, die übertönen zu wollen. Da gibt’s keinen Blumentopf zu gewinnen.

Wo stehst Du politisch?

Ich bin ein faschistoider Anarchokommunist bürgerlich-liberaler Gesinnung. In schwarzen Momenten wäre ich gerne ein Pädo-Nazi, der Männer, Frauen, Kinder, Tiere, Autos vergewaltigt, Hunde zerstückelt und Fotos seiner Taten bei Instagram und Twitter einstellt. Um mich garantiert mit allen anzulegen. Mit dem Lynchmob – das gefällt mir besser, als der geifernden Meute hinterherzulaufen.

Warum betreibst Du www.karlnagel.de? Warum bist Du bei Facebook, Twitter etc, obwohl Dich anscheinend all das ankotzt oder zumindest langweilt?

1994/95 habe ich mich mit Begeisterung in das „Abenteuer Internet“ gestürzt, da war ich ganz vorne dabei. ich dachte, hier neue „Freiheiten“ zu finden. Mittlerweile weiß ich, daß es mir und anderen nur die Birne zerlegt. Von mir aus könnte das Internet abgeschaltet werden, ich fahre jetzt wieder auf Schreibmaschinen ab. Daß ich noch online bin, hat ausschließlich kommerzielle Gründe. Alles, was von mir im Web zu finden ist, ist Werbung. Es geht ja nicht ohne. Der Vorteil beim Bücherschreiben: Es gibt keine Kommentarfunktion! Hier, auf meiner Seite, kann ich die Kommentare jederzeit deaktiveren – bei Facebook und Twitter geht das leider nicht. Ich will mich ja gar nicht mit allen austauschen – eine Handvoll Leute reichen doch!

Wo sind Deine Veröffentlichungen zu finden?

In Ausnahmefällen auf www.karlnagel.de, also dieser Seite. Ansonsten gibt’s mein Buch SCHLUND im Buchhandel oder über den Verlag. Viele meiner früheren Fanzines, Comics, Platten etc. gibt’s demnächst in einem Online-Shop. Muß langsam mal meinen Dachboden leerkriegen.

Warum singst Du nur Cover-Songs? Warum nichts eigenes?

Es stimmt, bei KEIN HASS DA gibt’s fast ausschließlich Cover von alten BAD-BRAINS-Songs, wenn auch mit eigenen Texten, und bei meinen Lesungen kommt auch nichts eigenes.  Das liegt daran, daß ich zwar gerne singe, aber ein Scheiß Musiker bin. Ich setze mich lieber ins gemachte Bett und picke mir die Rosinen raus. Das Schreiben von Songs macht mir halt kein Feuer unterm Arsch. Auch meine Zeit bei KEIN HASS DA geht nach 11 Jahren langsam ihrem Ende entgegen.  Ich denke, als fester Sänger einer Band wird von mir nichts mehr kommen. Na, vielleicht bei zeitlich limitierten Projekten oder für Aufnahmen. Bei Angeboten, irgendwo was einzusingen, bin ich meistens gerne dabei. Macht ja kaum Arbeit.

Warum dieses Interview?

Weil ich ein eitler Geck bin. Außerdem kann ich so Interviewanfragen zunächst auf diese Seite verweisen und erspare mir, immer den gleichen Scheiß zu beantworten.

Weitere Fragen können über die Kommentarfunktion gestellt werden und werden ggf. an dieser Stelle beantwortet!

2 Kommentare zu „Ich, ich und nochmals ich!“

  1. Simone Leimbach

    Hallo Karl Nagel, deine Erscheinung verfolgt mich im positiven Sinne seit den 80er Jahren. Ich war kein Punk, sondern Vohwinkler Kind eines Malermeisters. Aber als Teenager immer am Brunnen in Elberfeld. Natürlich bist du mir aufgefallen und ich verfolge dein Tun, zumeist marginal, schon lange. Leider habe ich weder Fotos noch eigene Geschichten, um ins Forum zu kommen. What shall I do? Allerbeste Grüße aus dem ollen Tal, Simone Leimbach

  2. ^^ das war schon ne eigene geschichte 🙂
    *heul* mich hat nie jemand verfolgt, nichtmal submarginal. schluchz. zu früh geboren, um an irgendnem brunnen einer Simone aufzufallen. die ungnade der frühen geburt! helmut ist schuld. ich liebe es, mein unglück jemanden in die schuhe zu schieben, der sich nicht mehr wehren kann. grüße an alle brunnenkinder!
    wer trug den krug dahin? wer war bei dessen bruch dabei? welches kind ist reingefallen und wer hat das verbockt?
    -> ist alles unbeantwortet, mein verschwiegener bauchpinsler und umbilicus voyeur.

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