MIT CLAUDIA IM BETT, SOZUSAGEN: Ich sitze im Büro von Claudia Roth, der Kulturstaatsministerin. Ja, PUNKFOTO ist ein tolles, engagiertes, spannendes Projekt, sagt sie, und 30.000 Euro Förderung jährlich, das ist hinzukriegen. Sie zwinkert verschwörerisch mit dem linken Auge, bevor sie fortfährt: Aber natürlich müßten Sie PUNKFOTO dann noch mal auf einige Richtlinien abklopfen … keine sexuelle oder rassistische Diskriminierung etwa, das ist doch heutzutage wie ein ... (Weiterlesen ...)
Nr. 32

Büschen figgen

aus »Schlund«, 2018

Das erste Mal war mir Elfie über den Weg gelaufen, als sie vierzehn oder fünfzehn war. Was ich damals nicht wusste, sie sah wesentlich älter aus. In Wuppertal hatte sie beim Punktreffen festgenommene Leute aus einem Polizeiauto herausgeprügelt und befreit. Das imponierte mir.

Eines Abends tauchte sie mit einer Freundin in Hannover auf, in der Korn, dem Unabhängigen Jugendzentrum. Ich war nach dem Ende des Zivildienstes nicht nach Wuppertal zurückgekehrt und wohnte in einer WG mit Gift und Lindemann.

Die beiden Mädchen tranken Bier, Elfie sprach mich an.

»Dich kenn’ ich doch aus Wuppertal. Kommste aus Hannover?«, fragte sie.

»Ja, mittlerweile. Ich wohne ’ne halbe Stunde von hier entfernt.«

»Meine Freundin und ich, wir suchen ’nen Pennplatz.«

»Kein Problem.«

Bei mir übernachteten damals ’ne Menge Leute. Ich mochte es, die Hütte voll zu haben.

Ein Punk, den ich nicht kannte, quatschte Elfie von der Seite an.

»Gib mal von deinem Bier!«

»Is nich.« Elfie nahm demonstrativ einen Schluck aus der Flasche.

»Los, rück rüber! Ein Schluck!«

»Letzte Warnung. Hau ab!«

Davon ließ der Typ nicht beeindrucken. Er lachte und riss Elfie die Flasche aus der Hand, setzte sie an den Hals.

Elfie war die Ruhe selbst. Sie griff in den Mund, nahm ihre Schneidezähne heraus, gab sie mir.

»Halt mal.«

Dann verpasste sie dem Bierdieb einen Elfmeter direkt ins Tor und fing die Flasche, bevor die auf dem Boden zerschellen konnte. Ich überreichte Elfie ihre Zähne, sie setzte das Inlay ein und trank weiter, als wenn nichts geschehen wäre.

Da hatte wohl jemand Elfie gefährlich unterschätzt. Zur Strafe fand er sich nun auf dem Boden wieder. Sie war ein wildes Weib – davon gab es einige in der Szene.

Irgendwann saßen wir zu viert in der Korn, weil Elfies Freundin ebenfalls Anschluss gefunden hatte. Sie hielt Karsten im Arm, ein Skinhead, der aus einem Kaff in der Umgebung von Hannover kam.

Gegen Mitternacht verließen wir zu viert die Korn und gingen zum Lichtenbergplatz, wo ich wohnte. Nach ein bisschen Gelaber gab ich Karsten und seinem Mädchen eine Decke, sie machten es sich damit auf dem Boden unbequem. Elfie und ich pressten uns in meinem Bett aneinander. Immerhin, wir hatten eine Matratze, wobei ich meist zu faul war, ein Spannbetttuch drüberzuziehen. Die Matratze besaß ein leuchtend grünes Muster und gehörte zu meiner Jugendzimmerausstattung.

Ich schaltete das Licht aus. Was Karsten und Elfies Freundin miteinander trieben, wusste ich nicht. Elfie jedoch fackelte nicht lange, küsste mich und begann an meinem Schwanz rumzufummeln. Der regte sich auch gleich.

»Wie alt bist du eigentlich?«, fragte ich.

»Sechzehn.«

Ich zog ihr Shirt aus. Elfies Busen und Bauch waren von groben Tätowierungen bedeckt, wie mit einem Kugelschreiber gestochen. Matte Farben, gezackte, unscharfe Linien und Muster zeichneten sich im spärlichen Licht ab, das durch das Parterrefenster ins Zimmer schien. Ich streichelte ihre tätowierte Haut.

»Harte Abziehbilder. Wo hast du denn die her?«

»Aus dem Heim. Da stechen sich die Mädchen so was gegenseitig, wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt.«

Ich schwieg. Nahm sie in den Arm, küsste sie auf den Hals. Sonst geschah weiter nichts. Eine Weile.

»Wolln wa nich’ ’n büschen figgen?«, fragte Elfie unvermittelt.

»Ok.«

»Dann steck ihn rein.«

Ich legte mich auf sie drauf und schob meinen Schwanz in Elfie. Rein. Der Versuch eines vernünftigen Gedankens meldete sich.

»Wie ist das denn mit den Babys bei dir? Nimmst du die Pille?«

»Nee. Aber keine Bange, ich werde nicht schwanger. Ich habe schon mit vielen Männern geschlafen, nie ist was passiert. Ich kriege bestimmt keine Kinder.«

»Gut.«

Dann vögelten wir miteinander. Wie man so vögelt. Hin und her, Ärsche bewegen, ein bisschen Keuchen. Aber ohne Enthusiasmus. Ein Fick, weil man eben fickte, wenn man als Männchen und Weibchen zusammen im Bett lag.

Irgendwann kam ich. Der Saft sprudelte aus mir heraus, dann war es vorbei. Elfie schlief in meinem Arm ein, ich lag noch eine Weile wach.

Mir grauste davor, regelmäßig ficken zu müssen. In der Zeitung hatte ich gelesen, dass es junge Paare dreimal die Woche miteinander trieben. Mindestens!

Am nächsten Wochenende kreuzte Elfie wieder in der Korn auf. Diesmal ohne ihre Freundin. Sie hatte ordentlich einen im Kahn und versuchte bei jeder Gelegenheit, meine Hand zu greifen oder mich zu küssen.

»Du warst echt lieb zu mir«, sagte sie. »Die anderen sind nie so.«

Ich schaute in ihre trüben Augen, roch die Fahne und mied ihre Nähe. Sie stand an der Theke, ich redete mit Britta, Tempo, Lindemann, egal. Hauptsache, Abstand zu Elfie halten!

Wichsen schien die eindeutig bessere Alternative im Vergleich zu den Perspektiven, die einem Frauen boten. Und schwanger konnte man davon auch nicht werden.

Irgendwann ging Elfie schnurstracks auf mich zu.

»Nagel, du bist echt ein Arschloch!«, sagte sie und tötete mich mit einem einzigen Blick.

Dann gab sie mir auf die Fresse. Ihren berüchtigten Elfmeter eben. Ein Schlag, das reichte. Wie immer.

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