Beförderung

Die Aussicht vom Dach des 32. Stocks war großartig. Genau richtig für mutige Entschlüsse, perfekt für den Flug zum Mond. Sozusagen.

Sternrieder hatte sich das ganz reiflich überlegt. Er wußte genau, was er tat. Weil er kein Idiot war. Er hatte studiert, seinen Doktor gemacht, eine Frau und zwei Kinder, es bis in den Vorstand gebracht und einen Haufen Schotter auf dem Konto. Um es so weit zu bringen, mußte man es draufhaben. Von nichts kam nichts.

Und nun stand er auf dem Dach des Firmen-Towers, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen. Sternrieder setzte die Chlorbrille auf, als Schutz gegen den Fahrtwind. Weg mit Anzug, Hemd und Schlips und stattdessen rein in windschnittige Klamotten: Badekappe, Gummihandschuhe und zuletzt der schwarze Taucheranzug, in dem er letzten Sommer in der Karibik Korallenriffe durch­schwommen hatte.

Von weitem sah er nun bestimmt wie eine Art Superheld aus, und diese Vorstellung ließ Sternrieder lächeln. Für ihn war’s auf jeden Fall ein Drama, ein Epos, aufwühlender als jeder Avengers-Film. Ob der Rest der Welt das so sah, wußte er nicht, drauf geschissen. Hatten ihn jemals die Anderen interessiert, diese armseligen Kreaturen, die hier, von oben, aussahen wie Ameisen, die er mühelos zerquetschen konnte?

Nein. Die Regeln der Welt machte allein Sternrieder.

Und so erhob er sich in die Lüfte.

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