Hitler und ich – Wenn ich einmal Führer wär!

Soeben wurde seitens Facebook einer meiner Beträge auf KARL NAGEL – PUNKFOTO gelöscht und eine Sperrung dieser Seite angedroht. Schon wieder. Muß mich also einer angeschissen haben. In dem Beitrag erzählte ich darüber, wie ich mit 11 Jahren Hitler gesehen habe. Und was mir meine Oma und mein Vater so über die Nazis erzählten.

Die Leser konnten das durchaus richtig einschätzen – die Facebook-Zensoren nicht! Dumm wie Brot. Oder eben Hosenscheißer, die bei einer »Hitler«-Nennung erstmal angstvoll zusammenzucken und alles LÖSCHEN! Ich schlage vor, den Führer am besten ganz aus Geschichtsbüchern und öffentlichen Äußerungen zu streichen. Dann is‘ Ruhe im Puff! Keiner muß mehr Angst haben.

Also: ES LEBE DER ANTI-FASCHISMUS! Ganz besonders der verordnete. Vergeßt das mit der »Freiheit« – am Ende interessiert sich eh jeder nur noch für die eigene …

Wo zu bestimmten Themen nur noch EINE Meinung erlaubt ist – und die auch nur bei Wahrung bestimmter Spielregeln – da kann ich es mir auch gleich schenken, öffentlich meine Gedanken, Zweifel und Irritationen zu verbreiten. Und falls Ihr eh nur das lesen wollt, was Ihr eh schon denkt … dann ist Facebook natürlich optimal!

Ich werde deshalb ab sofort bei Facebook jedwede Meinungsäußerung unterlassen. Ebenso alles, wo irgendwas »zwischen den Zeilen« steht. Nicht nur zum Nazi-Thema.

Diesen Drecksladen ist für mich nur noch für hemmungslose Werbung brauchbar. Alles andere findet Ihr AUSSERHALB Facebooks, z. B. in meinem Blog. Natürlich werde ich auch weiterhin kreuzbrave Punk-Fotos der Vergangenheit posten. Für präsenile Verklärung der Vergangenheit ist Facebook auch der richtige Ort. So herrlich ungefährlich. So schön, schön war die Zeit! Das kommt nie wieder!

Ok, ich weiß, daß meine Texte jetzt bedeutend weniger Leute erreichen werden. 15.000 Facebook-Likes gegen 60 Blog-Abos. Die Schlacht ist längst verloren. Das macht ja die Verführungskraft von Facebook aus. The winner takes ist all. Aber welche Wahl habe ich? Fresse halten? Hände an die Hosennaht? Mich in das »Neusprech« von Facebook und Polit-Zensoren einreihen“? Nee.

Einige von Euch werden das schade finden. Facebook ist ja so herrlich bequem. Alles an einem Ort. Aber niemand hindert Dich daran, meinen Blog zu abonnieren, wenn Du mich wirklich lesen willst. Du entscheidest! Nicht Facebook oder Karl Nagel.

Zuletzt noch eines: Wenn Du zu denen gehörst, die im »Kampf gegen Rechts« ebenfalls auf Verbote, Faustschläge und Zensur setzen, dann wirst Du alles verlieren, was Dir wichtig ist. Deine Menschlichkeit. Im Austausch bekommst Du die heile Facebook-Welt. Deine ganz persönliche »Truman Show«. Aber:

DAS GRÖSSTE SCHWEIN IM GANZEN LAND DAS IST UND BLEIBT DER DENUNZIANT!

 

Nachfolgend meine von Facebook wegzensierte faschistoide Hetze. Die allerdings nur der Ausschnitt aus einem längeren Text war. Der gelb markierte Text ist der bei Facebook veröffentlichte. Und wurde im übrigen ohne das Hitler-Bild gepostet!

 

Adolf Hitler ließ mich nicht kalt. War er wirklich so BÖSE gewesen? Dracula und Frankensteins Monster galten auch als Unholde, na und? Ich fand sie trotzdem klasse!

Auf jeden Fall hatte Adolf ’ne ganz schöne Schramme gehabt (wie etwa Dr. Doom!), sonst hätte er das mit den Juden nicht angefangen und auch Amis und Russen nicht den Krieg erklärt. Dann wäre Deutschland Sieger im Zweiten Weltkrieg geblieben. Polen hatten wir zuvor in drei Wochen plattgemacht – unsere Feinde brauchten sechs Jahre, um Deutschland niederzuringen! Kampfgeist und Fairness des deutschen Landsers (also wir Deutschen allgemein!) wurden weltweit geschätzt. Deutscher Erfindergeist hatte die Welt geprägt. Was sich im Fußball fortsetzte: Müller, Beckenbauer, Seeler!

Soweit die Ansichten meines Vaters, dem ich ausnahmsweise mit Interesse zuhörte.

 

Auch Omma wußte Gutes von den Nazis zu berichten: Abgesehen davon, daß sie die NSDAP 1933 ärgerlicherweise gewählt hatte (»Wir wußten ja nicht, wie das enden würde!«), erzählte sie mir von einem Brief, den sie an Hitler höchstpersönlich geschrieben hatte. Oha! Meine Omma und der Führer!

Aber nein, kein Liebesbrief – sie hatte ihm ihr Leid geklagt, über ihren Vermieter, der sie mit Kind und Kegel vor die Tür hatte setzen wollen, obwohl ihr Mann an der Ostfront seinen Dienst fürs Vaterland leistete.

Die Partei half prompt und klärte das ganze im Sinne meiner Omma. Der Vermieter machte keinen Ärger mehr (mein damals 8jähriger Vater schiß ihm zur Strafe trotzdem auf die Türklinke – Freunde hatten ihn für die Kackaktion hochgehoben), folglich hatte der Führer auch seine guten Seiten, da brauchten die Autobahnen gar nicht erst herhalten.

Nicht daß sie jemals rechtsradikale Ansichten vertreten hätte – aber bis zu ihrem Tod im Alter von 91 bewahrte sie vergraben in einer Kiste ein Originalfoto von Addi auf. Und von ihren allerletzten Jahren abgesehen, wackelte sie als rüstiges und aktives Energiebündel durch die Gegend. Gute Gene, die sie mir hoffentlich vererbt hat! Das Hitler-Foto habe ich schon.

 

Oppa war im Krieg so gerade noch dem allerschlimmsten entronnen. Zwar kämpfte er in Stalingrad, wurde aber wegen einer Lungenentzündung ausgeflogen, das Gemetzel begann. Später beaufsichtige Oppa dann in einer Werkstatt im Baltikum russische Zwangsarbeiter.

»Ich bin aber immer gut zu denen gewesen. Hab’ denen ab und zu ein Stück Brot zugesteckt.«

Seltsam, die Geschichte haben sie ALLE erzählt.

Beim Zusammenbruch machte er sich mit dem Fahrrad Richtung Heimat auf den Weg. Unterwegs lief ihm einer seiner Zwangsarbeiter über den Weg. Der saß nun in einem russischen Militärfahrzeug und sprang gleich raus, als er Oppa wiedererkannte. Und hat ihm die Hand geschüttelt.

Sagte mein Oppa.

Das war wohl sein Persilschein.

 

Wofür das Butterbrotpapier meiner Mutter doch alles gut ist! Nee, ich pause keine Comic-Titelbilder mehr durch – jetzt geht es an die FRONT! Denn ICH bin der Führer und erstelle genaue Karten und Pläne zur Unterwerfung aller Feinde!

Ich bin schlauer als Hitler: Ich bringe keine Juden um, sondern mache sie zu Deutschlands FREUNDEN, und zusammen erobern wir die Welt! Dank meiner strategischen Fähigkeiten kein Problem. Wie aufregend!

Unmengen Revell-Soldaten und Plastikpanzer werden in die Schlacht geworfen – Kampf um Kampf wird gewonnen, die deutschen Panzer auf einem endlosen Siegeszug! Und mein Führerhauptquartier liegt in unserem Keller, Pläne, Waffen und Karten ausgebreitet auf der Tischtennisplatte.

 

Ja, liebe Freunde, in diesen Tagen wurden die Grundlagen für einen genialen Strategen gelegt, den menschenverachtenden Zyniker, der über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen. Und das im zarten Kindesalter!

 

Mein neuerworbenes Wissen über Nazis und Krieg wandte ich versuchsweise bei Klausi, dem Vermieter-Sohn an. Der las gerne diese LANDSER-Heftchen, die ich auch mal angetestet hatte. Geschichten mit derbem Kriegsgeballer – das klang nicht schlecht. Aber die ewig gleichen Fronterlebnisse von Rußland über die Ardennen bis nach Nordafrika machten mich nicht an – kreuzlangweilig! PERRY RHODAN war besser!

Und zu Klausi sagte ich: »Du NAZI!«

War nicht auf meinem Mist gewachsen – sondern im SPIEGEL! Da waren sie gerade kräftig über LANDSER und dessen Leserschaft hergezogen, die angeblich von Nazi-Gedankengut durchseucht sei.

Ob das stimmte, wußte ich nicht. Aber für einen Versuchsballon in Sachen Provokation reichte es. Die nicht politisch gemeint war, sondern als persönliche Kopfnuß. Ich hatte ja noch ein paar Rechnungen offen.

Lief dann genauso wie erwartet: Ich mußte bei seinem Vater antreten. Der mich eh schon überall auf Wahlplakaten anstarrte, weil er für die CDU als Bürgermeister kandidierte – und bei dem zu allem Unglück auch noch meine Mutter putzte! Er dröhnte mir mit bebender Stimme die Ohren zu, eingeleitet vom Satz der Sätze:

»So geht das aber nicht!«

Er selbst habe den Krieg miterlebt, ich jedoch wüßte nicht, wovon ich spräche, und wie ich dazu käme, seinen Sohn als Nazi zu bezeichnen.

Ich stand da, ohne ein Wort, doch innen lächelte ich.

PLING! Eine Idiotenklavier-Taste mit bemerkenswertem, bizarrem Klang! Soso. Mein Vermieter und bestimmt auch die anderen Typen seines Schlages wollten nichts mit den bösen Nazis zu tun haben! Vielleicht waren Adolf und seine Mitstreiter gar nicht so miese Typen gewesen.

Juden hin, Krieg her: Ein Heil dem Führer!

 

Das Konterfei Hitlers fand ich auf vielen wunderschönen Stücken meiner Briefmarkensammlung, und ich verlegte mich spontan auf das Sammelgebiet DRITTES REICH. Und sackte in Freundeskreis und Schule ein, was es einzusacken gab. Führer und Hakenkreuze gegen Buntes aus Übersee, gerne auch Tiermarken – ein guter Tausch für alle!

Das Album mit den ungestempelten Marken morgens in die Schultasche, gut gerüstet zum Angriff auf das Nervenkostüm meiner Umwelt. Der Feldzug quer durch Oberbarmen kann beginnen, die gummierten Dinger sind mein Artilleriegeschütz. Lage peilen – lecken – drücken – unauffällig weitergehen! Und schauen, wer stehenbleibt.

Erquickend, wenn in der Schule die Lehrer aufgeregt gackernd durch der Gegend liefen – als wenn der Fuchs persönlich gerade im Hühnerstall sein Unwesen triebe! Ja … Hitler war GEFÄHRLICH! Geil!

Als Perry-Rhodan-Fan war ich glühender Anhänger typisch deutscher Tugenden wie Entschlußkraft, Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und Perfektion. Anders läßt sich ja auch so ein Weltraumkrieg nicht gewinnen, oder?

Für alle ohne Hintergrundwissen: In den ersten Rhodan-Heften tritt die Menschheit ja als »junge, unverbrauchte Rasse« das Erbe der »degenerierten Arkoniden« an und beginnt mit der ungestümen Eroberung des Weltalls – der Titelheld wurde von einigen Kritikern als »Space Adolf« tituliert!

 

Hier unterbrechen wir kurz für eine wichtige Mitteilung: Schauen wir uns die Lebensläufe diverser Jung- und Neonazis an! Uiii – da werden wir feststellen, daß viele von denen früh ihre Liebe zu Militär und deutscher Geschichte entdeckten. Einige waren sogar Perry-Rhodan-Fans!

Die Rezeptur: Man nehme einen ungeliebten Außenseiter, von Ängsten erfüllt und deshalb aggressiv – ein bißchen Prügel in der Erziehung schaden auch nicht. Einen, der Bücher liest, durch Fachwissen glänzt und seine Umwelt mit Fragen und Behauptungen nervt. Das sorgt garantiert für bescheuerte Reaktionen und es heißt: »Backe, backe, Nazi!«

Mit solchen Eckdaten war ich prädestiniert für eine rechtsradikale Karriere! EINMAL treten und nicht getreten werden, einmal STOLZ auf das zu sein, was ich war, AKZEPTIERT in einer Gemeinschaft! Ja, ich hatte das Zeug zu einem prima Pubertätsnazi!

Seid froh, daß Euch das erspart blieb! Sonst wäre die nationalsozialistische Revolution längst erfolgreich zu Ende gebracht.

9 Comments. Leave your Comment right now:

  1. by Jan-Krieger Rasensprenger

    Schreiben kannst gut! Du hast wirklich eine sehr spitze Feder – bin sogar ein wenig neidisch(kein Smiley/keine Ironie)! Sonnige Grüße, Sven-Friedrich(Rufname Friedrich)

  2. Abo funktioniert nicht, da steht dann beim Bestätigen: „Dein Abonnement konnte nicht aktiviert werden. Es könnte abgelaufen sein.“
    Das hat beim Schlingensief damals auch immer nicht geklappt.

    • by Karl Nagel

      Keine Ahnung, woran das liegt. Bei anderen klappt das.

  3. by mathead

    Ja dann fick heil und danke, dass du kein Nazi geworden bist 😉

    Aber bei Facebook würde ich nicht bleibenAber was machst du noch bei Facebook? Ich dachte, das hätte sich schon vor Jahren erledigt.

    • by Karl Nagel

      Na, das ist ein langsamer Abnabelungsprozess. Bin bei weitem nicht mehr so viel da wie vor Jahren. Aber wenn man da ne Seite mit 15.000 Likes hat, dann haut das schon ordentlich Leser auf diesen Blog rüber. Und ich bin natürlich auch bestechlich. Aber ich schminke mir jetzt eben ab, bei Facebook irgendwelche Meinungen zum besten zu geben. Fürs kurze Reinhupen von Fragen u.a. ist es für mich aber immer noch brauchbar. Gerade erst wegen ein paar juristischen Dingen.

  4. by Ralf

    Ja, wirklich gut geschrieben und erinnert mich durchaus an Geschichten, die ich als Kind von meinen Großeltern erzählt bekam. Die Kriegserzählungen meines Opas, inkl. solcher von seiner Kriegsgefangenschaft in Russland, erschienen mir immer wie Abenteuergeschichten.
    Der schwer erträgliche Scheiß an Facebook ist ja, dass sie auf bestimmte Schlagwörter und Bilder (z.B. die berühmten nackten Frauenbrüste selbst auf Abbildungen weithin bekannter Kunstwerke) mit (halb?) automatischer Sperrung reagieren, aber wirklich radikalen, fremdenfeindlichen u.a. Dreck selbst dann nicht löschen, wenn man sie darauf hinweist. Und weil Facebook enorme Reichweite und Marktmacht hat, darf man m.E. nicht aufhörten, sich dagegen zu wehren und zu äußern.

    • by Karl Nagel

      Ist aber völlig sinnlos, das direkt bei Facebook zu machen. Da ist man echt ne Träne im Ozean.

  5. by kela

    habe sowieso nicht verstanden, warum du überhaupt bei facebook bist…

    wen interessiert denn die gleichschaltung des mainstreams?

    also ich möchte nicht von der großen breiten masse begafft werden, das habe ich jeden tag auf der straße. scheiß auf 15.000 gaffende, hinter der hand kichernde, mit dem finger zeigende teenager ohne eigene identität.

    & dieses „like“ ist so schnell geklickt & so schnell wieder entfernt; die 2.217 registrierten mitglieder sind die, die zählen. war doch damals auch schon so. ist ja nett, dass abdul aus dem obstladen mal ’nen apfel rüberreicht („like“), wichtig waren die jungs & mädels, die neben dir gestanden haben, wenn die bullen stressten.

    bin kein abonnent deiner blogs, lese aber trotzdem immer wieder rein; ist ja ganz einfach über links zu erreichen von der hauptseite aus…

  6. by Johnny Munzel

    Lieber karl, das von dier geschriebene, mensch du, wie aus meiner seele, habe ich das doch änlich erlebt.
    Ich lebe seit, ein paar jahrzehnten in der schweiz, hier so geschichten erzählen, ne, hier weis niemand was davon, nazis, ne, nur, geld, gold, raubkunst aber wenigstent sicher, in der schweiz.
    Die kollektieve verweigerung, das kollektive schweigen, funktiuniert.
    Schweizer erfindung, wir habens erfunden?
    Der scheiss kommt mir doch fast bis an den arsch bekannt vor
    Mit liebem gruss
    Johnny kondensator
    Und immer schön punk bleiben

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