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Zur Berlinale: »Der größte Film aller Zeiten« (GröFaZ)

Als Folterknecht im Dritten Reich

Lange mußte ich auf diese Gelegenheit warten, nun endlich wurde ein Traum wahr: In DER GRÖSSTE FILM ALLER ZEITEN durfte ich einen Nazi-Folterknecht spielen, der seine sadistischen Triebe kaum mit wohlfeilen Hetzreden zu verdecken mag. Die Premiere des von Werner Theodor und Ingar Alan Milnes zusammengestückelten Kostümstreifens gibt’s anlässlich der Berlinale am kommenden Samstag. Drei Wochen später folgt Hamburg!

Schon als Kind erweckte alles, was mit Hitler, Nazis und Konsorten zu tun hatte, meine Neugier. Es fing an mit einem Schulkameraden, der Olaf Fickler hieß und damit so ähnlich wie dieser ewig brüllende Schnauzbartträger aus dem Fernsehen. Der hatte ja in der Kindheit meiner Eltern mysteriöse »Feldzüge« veranstaltet, richtig? Das klang in meinen Ohren – ich war acht Jahre – wie »Karnevalszug« – also diese lustigen Wagen, die jedes Jahr durch die Stadt fuhren. Männer mit bunten Kappen warfen Bonbons in die Menge, während der Mob sich endlos Biere in die Birne schraubte, das war klasse!

Ich begann Briefmarken des Dritten Reiches zu sammeln und war besonders stolz auf alles, was Führer und Hakenkreuze zeigte; mit Zwölf spielte ich mit Plastikpanzern und -Soldaten den II. Weltkrieg nach. Obwohl ich drei Jahre später Kommunist wurde und damit auf Geheiß des ZK der KPD/ML Antifaschist, nutzte ich den einige Jahre später folgenden Punk auch als Möglichkeit für Spielereien mit Nazi-Ästhetik. Die Sprengkraft von allem, was auf brauner Ideologie wucherte, lockte zu sehr; sie war ein wirksames Mittel, für Geschrei und Chaos im Hühnerstall zu sorgen.

Während meiner Karriere als Anti-Politiker und ParteiFÜHRER der APPD konnte ich diese Erfahrungen weidlich nutzen; manche Stunde verbrachte ich mit dem Studium von Hitler- und Goebbels-Reden nebst ihren überkandidelten Posen.

Als mir schließlich vor einigen Monaten offeriert wurde, eine kleine Rolle im GRÖSSTEN FILM ALLER ZEITEN zu spielen, sagte ich hocherfreut zu. Ich bereitete mich sorgfältig auf meinen Auftritt als Nazi-Folterknecht vor und ließ mir dafür sogar einen Schnäuzer stehen.

Die Dreharbeiten gestalteten sich zu einem Triumphzug ohnegleichen: Ich fluchte, schrie, beleidigte und schlug jede Taste an, der mir auf der Klaviatur meines Nazi-Tourettesyndroms zu Verfügung stand – und siehe da: Nach einer Stunde wurde die gesamte Filmcrew vom Drehort geworfen!

Die Künstler-Hippies, die einen Lagerraum als Folterkeller zur Verfügung gestellt hatten, waren empört. Sie konnten es nicht fassen, dass der Filmnazi nicht mit weicher sanfter Stimme für den Weltfrieden eintrat und mit Blümchen wedelte. Dass er lautstark den Führer hochleben ließ, damit hatten sie nicht gerechnet. Also geboten sie dem drohenden Faschismus Einhalt und erklärten die Dreharbeiten kurzerhand für beendet – übrigens werden auf ihren Antrag hin demnächst alle Hitler-Bilder aus Schulbüchern entfernt, um die schleichende rechtsradikale Unterwanderung der Jugend zu stoppen!

Doch der Faschismus lässt sich nicht von ein paar Hippies im Wachkoma aufhalten, also wurde das Dritte Reich per Blitzkrieg auf das Hausboot des Regisseurs verlegt. Dort wurden die restlichen Szenen abgedreht, und das Böse an sich durfte noch einmal Gift spritzen.

DER GRÖSSTE FILM ALLER ZEITEN  wird am kommenden Wochenende anlässlich der Berlinale erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: Sa. 17.2., 20 Uhr, B-Ware Ladenkino, Gärtnerstraße 19 (Friedrichshain), am. Hamburg-Premiere 9.3., 21:45 Uhr im Metropolis. Mehr auf der Film-Website und auf Facebook.

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