Reparatur-Rapport

14. FEBRUAR 2012

Seit dem Wochenende gelten die von mir aufgestellten “Maßnahmen zwecks Erlangung mentaler Souveränität”.

WAS GUT KLAPPT: Kiste wird später an- und früher ausgemacht +++ unterwegs nur noch sehr wenig Junk mit dem Smartphone +++ überhaupt kein Tetris mehr +++ deutlich weniger Newsjunk als vorher – weniger als die Hälfte +++ bin nur noch sehr selten bei Facebook +++ E-Mail-Programm ist oft aus +++ weniger Ersatzhandlungen aller Art +++ war bislang jeden Tag draußen

WAS MIES LÄUFT: Ich schaffe es nie, die vorgenommenen Offline-Zeiten für News und Mails einzuhalten, weil mich die Stimme endlos vollquatscht und ich zu oft schwach werde +++ schaue viel zu häufig auf die Statistiken diese Blogs +++ gehe noch zu oft auf dieses Blog und auch auf Facebook, obwohl ich nichts schreiben will.

SUMMA SUMMARUM: Deutliche Fortschritte. Die Schreiberei hier fördert meine Konzentrationsfähigkeit. Aber die innere Vollquatsch-Stimme siegt noch zu oft. Ich will mal einen Tag haben, an dem ICH ALLEIN der Sieger bin!

27. FEBRUAR 2012

Seit dem Wochenende gelten die von mir aufgestellten “Maßnahmen zwecks Erlangung mentaler Souveränität”.

WAS GUT KLAPPT: bereits 6 Tage ohne Nachrichten aus Web, TV oder Zeitung +++ Kiste wird später an- und früher ausgemacht +++ überhaupt kein Tetris auf dem Smartphone mehr +++ bin nur noch für eigene Postings bei Facebook +++ bin häufiger draußen +++ lese wieder Bücher

WAS MIES LÄUFT: +++ zu viele manuelle Mailabrufe, manchmal 15-20 Mal am Tag. +++ zuviel Ersatz-Junk in Foren oder oder auf eher fachbezogenen Seiten. +++ zu häufiges Checkes der Blog-Statistiken

SUMMA SUMMARUM: Bin insgesamt zufrieden mit der Entwicklung.
Werde mal versuchen, mich diese Woche auf folgende Regeln zu konzentrieren:
1. Nur drei Mailabrufe pro Tag: zu Arbeitsbeginn sowie um 13 und 17 Uhr.
2. Statistiken zu diesem Blog nur checken, wenn ich auch gleichzeitig einen neuen Eintrag poste.
3. Allgemeines Lesen im Web immer erst, wenn Arbeit oder andere Dinge schon durch sind, also meist so gegen 18-19 Uhr. Danach die Kiste ausschalten!

4 thoughts on “Reparatur-Rapport

  1. Pingback: Maßnahmen zwecks Erlangung mentaler Souveränität | karl nagel … brain regain

  2. Moin Karl,

    ich verfolge deinen Blog sehr interessiert, nicht zuletzt, weil ich selbst einige von dir beschriebene Begleiterscheinungen des Konsumierens des Internetmediums bzw. des Mitmischens in selbigem an mir bemerke.

    Das Thema „Informations-Overkill“ bzw. „Web-Junk“, der einen tages- und nachtfüllend zu beschäftigen vermag, es aber erschwert, die wirklich relevanten Informationen herauszufiltern und letztlich zu einer Art Beliebigkeit führt, ist offensichtlich ein typisches Zeitgeistphänomen.

    Faszinierend finde ich, wie du trotz deines Leidensdrucks und deines Interesses an offensichtlich nahezu jeder Art von „News“ es schaffst, mehr oder weniger konstant so konstruktiv und produktiv zu sein. Immer wieder drängst du mit wahnsinnigen Projekten in die Öffentlichkeit, wobei es nicht nur bei Lippenbekenntnissen und Vorhaben bleibt, sondern tatsächlich etwas dabei herauskommt – seien es Veröffentlichungen wie Comics oder DVDs, seien es Projekte wie die Band KEIN HASS DA oder deine IDIOTENKLAVIER-Tour, seien es irre Videoclips oder sarkastische Kolumnen – da alles sind handfeste Dinge und keine Luftblasen im World Wide Web. Die Veröffentlichungen sind real, du bist real, du trittst live auf und stellst dich der Welt außerhalb des Internets. Damit hast du aus meiner Sicht etwas ganz entscheidendes vielen Suchtkranken voraus, die schlicht überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekommen. Insofern überrascht es mich, dass du so stark betroffen bist.

    Du hast recht, Facebook ist die Hölle. Das einzige, was da nachhaltig ist, ist die Speicherung persönlicher Daten auf den Servern, fast alles andere ist purer Junk mitteilungsbedürftiger Individuen, die kaum viel mehr als ein mit dem Smartphone geschossenes Foto oder einen Dreizeiler hinbekommen, was niemanden mehr interessiert, sobald es aus den „letzten Meldungen“ verschwunden ist. Dennoch gibt es diesen sozialen Druck, wenn der Großteil des eigenen Bekanntenkreises sich über jene Plattform austauscht. Seine Aktivitäten dort auf ein Mindestmaß herunterzufahren, ist vermutlich ein vollkommen richtiger, großer Schritt.

    Ein Dilemma ist sicherlich einerseits ein ausgeprägtes, globales politisches, gesellschaftliches Interesse und das berechtigte Misstrauen in die Medien andererseits, weshalb man so viele Quellen wie möglich kennen und verfolgen möchte. Einen wirklichen Ausweg kenne ich nicht. Führt dies allerdings dazu, dass man selbst nach täglichem Studium x verschiedener Quellen immer noch nicht schlauer – sondern vielleicht gar dümmer – als vorher ist, hilft es möglicherweise nur, zu akzeptieren, dass man auf diesem Wege kaum „die Wahrheit“ finden kann und ausgehend von seinen, nun ja, „Idealen“ oder „Überzeugungen“ ein gesundes Misstrauen behält, ohne bei allem, was einen persönlich wenn überhaupt indirekt tangiert, so sehr ins Detail zu gehen, dass das eigene Leben zu einem großen Teil nur noch daraus besteht, das Leben (oder auch Sterben) anderer zu verfolgen.

    Bei dir kommt ja aber anscheinend auch ein großes Mitteilungsbedürfnis hinzu, wofür das Internet, das „Web 2.0“ natürlich ideal ist – eine riesige Spielwiese für Selbstdarsteller jeglicher Couleur. Und Wahnsinn, wie schnell man Reaktionen erhält! Dauerte es früher mitunter Wochen oder gar Monate, bis man Reaktionen auf provokante Veröffentlichen in Print-Publikationen erhielt, kann man heutzutage oft schon nach Minuten damit rechnen. Doch genauso schnell, wie er kam, ist der Kick wieder vorüber und man giert nach weiterer Resonanz, ist ständig in Versuchung, das Netz danach zu durchforsten. Manchmal bringt man eine Lawine ins Rollen, die einen einfach nur noch überfordert. Ein Dreizeiler bei Facebook – 80 einzeilige Kommentare innerhalb von ein, zwei Tagen! Auf die alle einzugehen, wird zum Ding der Unmöglichkeit. Doch wozu das Ganze? Gibt es evtl. trotz vollen Hirns eine innere Leere, die durch diese Form der Bestätigung kompensiert werden soll? Wer z.B. in einer erfüllenden Partnerschaft lebt und dadurch seine Bestätigung erhält, ist meist viel entspannter und neigt nicht zu derartigen Kamikaze-Aktionen. Hast du dich einmal intensiv damit auseinandergesetzt, ob und wenn ja, wie stark Einsamkeit bei deinem Mitteilungsdrang eine Rolle spielt? Hoffe, dir mit dieser Überlegung nicht zu nahe zu treten.

    Wäre Selbstdisziplinierung durch „Zwangspausen“ eine Alternative? Im Sinne von z.B.: Trennung von Privatwohnung und Arbeitsplatz. Anmieten eines Büros, zu dem man eine halbe Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muss. Während dieser halben Stunde das Smartphone unbeachtet lassen und mal wieder ein richtiges Buch lesen. Sich feste Arbeitszeiten auferlegen, am Tagesanfang ein berufliches, projektbezogenes Tagesziel definieren, das es zu erreichen gilt und das nur erreicht werden kann, wenn man sich vom Web-Junk nicht ablenken lässt. Etc… Oder kämen diese ohne Frage spießigen Maßnahmen einer Niederlage gleich, als könne man mit seiner Freiheit nicht vernünftig umgehen?

    Oder regelmäßiger Hirn-Reboot durch Vollsuff (bewirkt z.B. Leerung des überlasteten Arbeitsspeichers), während einen der schwere Kater zur Entspannung durch Passivität zwingt – für viele Menschen anscheinend auch ‘ne Alternative, ganz gleich ob Web-Junkies oder andersartig gestresst… (kein ernstgemeinter Vorschlag, aber etwas aus meinem eigenen Erfahrungschatz…)

    Freue mich, weiterhin von dir zu lesen, auch wenn es auf den ersten Blick wie „den Bock zum Gärtner machen“ erscheint, über einen Zugriffsstatistiken und Kommentarfunktion bietenden Blog seine Internetsucht in den Griff bekommen zu wollen. ;)

    Gruß,
    Günni

  3. Ja, natürlich hat das was mit Einsamkeit zu tun. Das ist für mich aber nichts web-typisches oder neues, sondern begleitet mich seit 35 Jahren. Eigentlich ist jede meiner Aktivitäten immer nur ein Versuch, aus der Einsamkeit auszubrechen und Leute kennenzulernen. Habe das mal in das Motto “Raus aus dem Bunker – Ran an die Front” gepackt.
    Allerdings merke ich bei jeden Ausbruch, daß es mir jedes Mal schwerer fällt, die Mauern zu durchbrechen. Und in den letzten Monaten habe ich teilweise nur noch wie paralysiert vor dem Monitor gesessen. Immer wenn ich EIGENTLICH was machen wollte, konnte ich meine Gedanken nicht mehr ordnen, war völlig blockiert.
    Bude und Büro getrennt zu halten, wäre sicher gut, geht bei mir momentan aus verschiedenen Gründen gerade nicht. Ist nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage, gerade in Hamburg! Ich gehe das gerade anders an – indem ich einfach für eine Stunde oder so rausgehe. Auch wenn ich noch gar nicht weiß, wohin.
    Ansonsten ist alles blanke Theorie. Jeder muß da seinen eigenen Ausweg aus der Hölle finden. Konkrete Selbstdisziplinierungs-Pläne alleine sind’s nicht. Wenn Du wüßtest, wie viel Zeit ich schon damit vergeudet habe!
    Andere Wege scheinen da gerade erfolgversprechender zu sein.