Welche 3 Songs haben’s DIR richtig besorgt?

Also nicht nur Deine 3 Lieblingssongs … sondern solche, mit denen Du eine persönliche Geschichte verbindest, die Dich bis heute noch umhaut, weil der Song etwas in Deinem Leben verändert hat! Die Musikrichtung ist dabei egal.
Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran – würde mich freuen, wenn Du neben den Songtiteln auch DEINE Story hinterlässt!


billion-dollar-babies1. BILLION DOLLAR BABIES (Alice Cooper) – Die gleichnamige und zugleich erste LP meines Lebens erpresste ich 1974 (mit 13) von meinen Vater gegen ein Lösegeld von 22 Mark bei Besorgung von 2 Flaschen WICKÜLER EXPORT und einer Packung HB-Zigaretten. Er war Alkoholiker und nur noch ein Wrack. Ein Zombie, der kaum mehr laufen konnte. Ich stellte ihn vor die Wahl: Entweder er gibt mir die Kohle für die Platte – oder ich hole ihm kein Bier! Er gab mir die Kohle. Bin nicht stolz drauf, aber so war’s eben … und wenn ich heute den Song höre, denke ich immer an diese Szene zurück. „I Love The Dead“ löst ähnliche Erinnerungen aus.


monarchie-und-alltag2. GRAUSCHLEIER (Fehlfarben) – Ich hatte 5 Jahre keine Platten gekauft. Alles Betrüger und Lügner, dachte ich. 1981 (mit 20) ließ ich mir dann doch ausnahmsweise bei BODO BOCHNING – ein Plattenladen in Wuppertal-Barmen – die ersten Tracks der LP „Monarchie und Altag“ über Kopfhörer vorspielen. Mir flog die Birne um die Ohren! Ich kaufte die Scheibe und rannte wie auf Droge mit der Platte unterm Arm aus dem Laden raus, innerlich stammelnd: „Die wollen mich nicht bescheißen!“. Eine Woche später hatte ich meine erste Band. Und bald darauf schrieb ich einem Mädchen, in das ich seit Jahren unheilbar verknallt war, einen Liebesbrief. Das ging auf das Konto von „Grauschleier“. Der Song hat mein Leben gründlich verändert!


rock-for-light3. BIG TAKE OVER (Bad Brains) Anfang 1983 schleppte meine Freundin, die Geschäftsführerin eines GOVI-Plattenladens war, mal wieder einen Stapel Platten nach Hause. Darunter eine 12″ der BAD BRAINS. Ich hörte „Big Take Over“, und das war TOTAL ANDERS als alles, was ich bislang an Punk kannte. Das im Mai folgende Konzert in der hannoverschen Kornstraße ließ ich mir nicht entgehen. Schon nach 10 Minuten tropfte das Wasser von der Decke. Der Laden tobte, und ich stand vorne an der Bühne. Ich hasste Reggae und wollte es mir richtig besorgen lassen. Das taten die BAD BRAINS – trotz oder wegen Reggae – und bei „Big Take Over“ sah ich, wie aus HRs Fingern Funken gegen die Decke sprühten. Ohne Pyrotechnik! Konnten die Typen etwa ZAUBERN? Waren sie MAGIER? Nie wieder danach habe ich so etwas erlebt!

13 Comments. Leave your Comment right now:

  1. by Ralf

    Toll!

    • by Sasy

      Heaven 17 – Let me go
      Faith No More- Epic
      Kyuss – Gardenia

  2. by wolfi

    1. Sex Pistols / God safe the Queen: Habe ich 1978 bei Mal Sondocks Hitparade im Radio gehört. Der Song wurde nur ein paar Takte angespielt, da in England auf dem Index. Ich kannte von meinem älteren Bruder nur Krautrock und andere Rocksachen mit elend langen, psychedelischen Gitarrensolies. Ich war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Der abgehackte Schräddelsound und der nörgelnd-schreiende Gesang von Jonny Rotten zogen mich so dermaßen in Ihren Bann, dass ich umgehend mein Sparschwein gekillt und mir die Platte gekauft habe. Und dann ging es los… 🙂
    2. Dead Kennedys / Holiday in Kambodia: DK war 1981 mein 2tes Konzert, mein erstes war Ideal. Jello Biafra hat mich total in seinen Bann gezogen, bis heute übrigens! Ich mag seine politische-kritische Art und wie er das in Worte und Aktionen packt. Ein geradliniger Mensch!
    3. Massive Attack / Unfinished Sympathy: Ein grandioser Song der mir 1991 zeigte, dass es ausser Punk noch saugeile andere Musik gibt! Erst der Song hat mir die Augen geöffnet mal über den Tellerrand der Punk und Oi Musik zu schauen. Und dafür bin ich soooo dankbar. Mein musikalischer Horizont hat nicht mal mehr Angst vor klassischer Musik, denn auch da gibt es sehr gute Songs!

    Beste Grüße
    Wolfi

  3. by Sida Spackenheimer

    (Ohne Interpret) Warte, warte nur ein Weilchen ( https://www.youtube.com/watch?v=8vYvzZLRYJQ )

    Als kleines Kind, aufgewachsen in der Südheide nicht weit weg von Hannover, hat man mir damals schon vom Haarmann erzählt. Der komische gruselige Buh-Mann der Kleine Kinder zu Wurst verarbeitet hat.
    Ein üblicher Ausdruck, wenn ne Wurst komisch geschmeckt hat war „das schmeckt nach Haarmann“.
    Ich denke, dieses traditionelle Niedersächsische Liedgut + der merkwürdigen Geschichten über den Hannoveraner Menschenfresser meine Begeisterung für makaberes und Horrorfilme geweckt hat.

    Helge Schneider – Fitze, Fitze, Fatze
    Erinnerung an meinen Vater, der Jazz- und Helge Schneider Fan war. Wenn ich den Song höre muss ich unweigerlich auch an die guten Zeiten meines kaputten Vaters denken.

    Die Toten Hosen – Pushed again
    Ende der 90er einer der Songs der permanent bei mir zu hören war. Damals ne beschissene Zeit für mich und genau da hat der Song mir das Hirn freigeblasen. Songwriter war TV-Smith, der davon ach ne nette Akkustiknummer live zum besten gibt.

  4. by Dr. Grützlaff

    Maßgeben war wohl für mich eine Radiosendung über Punkrock, das war so 83, obwohl ich von Punk schon irgendwann ein, zwei Jahre (?) vorher gehört habe. Hervorzuheben war bei der Radiosendung: Johnny Moped, mit „No one“, Art Attack mit „Punkrock star“ und Siouxsie and the Banshees mit „Happy House“. Diese Songs mit zum Teil ätzenden Gesang bliesen alles weg. Damals lief im Radio ja nur Abba (obwohl die auch gut waren) oder Schlager, aber das was da lief war eine völlig andere Musik. Melodieläufe bei Siouxsies „Happy House“, die heute alltäglich sind, gab es vorher gar nicht. Das war alles unglaublich, frisch, neu und kraftvoll. Ich ging zum Frisör, zum letzten mal und ließ mir einen Igel schneiden…sollte es jedenfalls werden, die Frisöse, verpasste mir allerdings einen Vokahila (Vorne kurz, hinten lang) Schnitt. Egal, ab da setzte ich immer selber die Schere an und massig Seife in den Haaren. Ich fasse diesen Radiomitschnitt mal als ein Song, da ein halbe Stunde Tape, zusammen. Das war also Song Nr.1

    Einige Jahre später, nach diversen einzelnen Songs aus dem Radio, traf ich Leute die auch Punk und Artverwandes hörten. Sie sahen auch aus wie ich, wie Punks. Einer von denen hatte Kontakt zu anderen Punks in der DDR und somit zugang zu den 100 mal überspielten Tapes diverser Bands. Exploited, Slime, Moderne Mann, Fehlfarben usw. Das erste Tape was ich also von einem meiner neuen Freunde erhielt, waren Vorkriegsjugend !!!….kannte ich nicht, der Name hörte sich aber gut an. Zuhause das Tape reingelegt und ich traute meinen Ohren nicht…mann war das genial, dieser (wieder mal) ätzende Gesang, die aggressive Musik, die Texte! Wow! Dagegen klangen Slime, wie eine nette Rock n Roll Combo. Untergangsstimmung, hurra! Das passte! Das Tape lief ab da, jeden Tag x mal, definitiv bevor ich auf die Straße ging. Mit selbigen Tape im Recorder lief ich durch die Straßen und besuchte meine Oma. Das war ein Gefühl diese Musik auf der Straße zu hören und ich sah aus wie ein Landstreicher mit abstehenden Haaren (wir schreiben DDR Zeiten). Auf dem Rückweg abends, geriet ich dann in einen Polizei-hinterhalt und das mitten auf dem Boulevard. Ich sah sie zu spät, aber zurück wollte ich nicht (man war renitent). VKJ Musik also lieber ausgemacht. Ich hoffte nur, das sie gar nicht interessiert, was da im Recorder lag, denn dann: Gnade mir Gott. Dann aber das übliche: „Guten Tag, Wachtmeister sowieso, wie sehen sie denn aus?! drehen sie sich mal um, was steht denn da auf der Jacke?!! Was soll das denn sein?!! Zeigen sie mal ihren Ausweis!!! Das Bild sieht ihnen gar nicht ähnlich!!! Wir können auch eine Hausdurchsuchung bei ihnen machen!!!“…..mein Outfit hatte also vom VKJ TApe abgelenkt. Das war die Geschichte zu meiner damaligen Lieblingsband: VKJ…die Nr 2 also.

    Nr 3, waren ganz klar die Dead Kennedys. Ich hatte vorher schon einige Songs aus dem Radio (Pa Rock Tikum) mitgeschnitten, denn da lief eine Stunde deren Musik (im DDR Radio), das war so 86 rum. Wieder auf Besuch einer meiner Freunde, überreichte der mir 2 Tapes mit den ersten beiden Dead Kennedys LPs. Was für ein Hammer!!!! vor allem „Holiday in Cambodia“!!! Zu den Dead Kennedys gibt es dann eine kleine Geschichte zu erzählen: Ich hatte ja nun beide LPs auf Tape, aber eben keine Platten. Das war ein Traum, der wohl nie wahr werden würde. Zur Armee musste ich nun auch, aber ok, da ließ ich mir die Haare ganz kurz schneiden, wo die anderen eher rumflennten, hatten sie ja doch eher längere Haare wie zu dieser Zeit im Osten üblich (Langeoder längere Haare und Schnauzbärte). Bei der Armee brachte dann jemand einen Psychobillie Sampler an. Das war seltsam, WO, hat er sowas her???? Er meinte in Leipzig gab es einen Laden da verkaufen die solche Musik. Bischen Punk oder sowas. „HHÄÄÄHH???“ zu DDR Zeiten gabs ein Laden der Punkmusik verkauft? Er meinte: Ja, das ist ein Poleninformations laden. Keine Ahnung was das zu bedeuten hatte, ich sagte: „Ok, auf der Fahrt demnächst in den Uralub, schauen wir da mal rein, da kauf ich mir die Dead Kennedys, hahaha!“ Es war eigentlich unmöglich eine Dead Kennedys LP in der DDR zu kaufen, gabs ja nicht, woher auch und dann gerade die Band. Später gings von der NVA in den Erholungsurlaub nach Hause, über einen kurzen Umweg nach Leipzig. Der Genosse zeigte mir dann dort diesen Poleninformations laden. Kaum drinnen, stand da plötzlich die erste LP der Dead Kennedys !….zum Verkauf ! Ungalublich! Ich dachte ich träumte, kaufte die Platte und schaute sie mir immer wieder an. Ich konnte es nicht fassen, ein Ding der unmöglichkeit war geschehen! Zur Erklärung: In Polen wurden einige Punkplatten als Lizens gepresst (wusste ich damals gar nicht), zb eben diese Dead Kennedys, Exploited und den Back Stage Pass Sampler. Polen war da etwas lockerer. Hab diese Polenpressung immer noch stehen. Damals war das das unfassbarste, ja unmöglichste, was eigentlich geschehen konnte….

  5. by Locke

    Nr.1 The Exploited mit Punk´s not Dead das erste Lied was ich gehört habe muss um 1994 gewesen sein was mich so richtig vom Hocker gehauen hat ab da fing alles an war somit mein einstieg in Richtung Punk .

    Nr.2 Abstürzende Brieftauben mit Der letzte macht die Tür zu was habe ich den Song gefeiert da kommen Erinnerungen hoch von Hausbesetzungen bis am HBF abgammeln. (höre die Tauben bis heute noch gerne und mein Junge ist auch schon soweit sie zu lieben).

    Nr.3 Schleimkeim mit Kriege machen Menschen das Lied muss man einfach lieben wen man auf rotzigen Punk steht, wen man aus dem Osten Von Deutschland kommt und Punk ist kommt man eh nicht an Schleimkeim vorbei aber das Lied kann ich auch mit 3,8 auf dem kessel noch singen.

  6. by mathead

    Sex Pistols: „Pretty Vacant“: 1977 im Urlaubsheim in England. Wir kids saßen wie die Dalmatiner vorm Scharzweißfernseher. Top of the Pops war *die* Sendung und zeigte zum ersten und einzigen Mal die Band, die alles, was bisher an Rock existierte alt aussehen ließ und die Saat des Punk wurde in millionen Hirne gepflanzt, einschließlich meinem.

    Bob Dylan: Isis Nix mit Islamisten zu tun. Isis war der Soundtrack zu meiner ersten Liebe. Jahrelang gedacht, ich kriege keine ab und dann so ein Rush… leider ebenso schnell vorbei aber die Verbundenheit ist geblieben.

    UK Subs: Limo Life 1984 abgefuckt in Frankfurt. De facto war ich Punk, wollte aber nicht so aussehen wie ein Punk, weil ‚Etikette Tötet‘, hatte deshalb Keine Anbindung zu irgendeiner Szene. Wohnte isoliert in einer Art Abbruck-Punk-Mini-WG mit Punk-Bruder und einer Punkfrau, die mich hasste. Was für eine Scheißzeit!
    Wir besaßen eine einzige Kassette im Kasi: eine Seite Kennedys, die andere Subs. Was ‚Limo Life‘ war, kapierte ich damals nicht aber der Refrain und die schleppende Melodie spiegelten genau mein Lebensgefühl wieder: abgewrackt und hoffnungslos. „All I need is a little bit of ACTION!!!!“

    So oder so änlich. ich hätte sicher noch den einen oder anderen Song hinzufügen können, aber das sind die drei erstn, die mir in diesem Zusammenhang so einfallen.

  7. by Max

    Auf drei beschränken is da gar nicht so einfach, aber spontan nenne ich (und die waren auch alle wirklich wichtig):

    1. Public Image von PIL. Hab ich zufällig Anfang der 80er das erste Mal gehört (im Kinderalter!) und war voll hin und weg. Natürlich keine Ahnung gehabt von wegen John Lydon, Pistols, Punk… Aber den Song musste ich einfach haben. Irgendwann später hab ich dann irgendwo die „This Is Not A Love Song“ single gesehen, die hatte eben „Public Image“ als B-Seite, also soforft vom Taschengeld gekauft und gehört, gehört und noch mal gehört – die B-Seite eben – bis mir die Ohren fast abgefallen sind. War ein früher unbewusster Kontakt mit Punk, für mich heute noch ein herausragender Song mit diesem genialen sägenden Riff.

    2. Couch Slouch von DRI. Ende der Achtziger hatte ich mich zum Metalpunkhardcoreirgendwas-Teeenie entwickelt. Hatte nervigen Stress, in der Schule, mit den Alten, mit der Pubertät… in der Zeit hab ich die „Dirty Rotten“ von DRI (gabs damals tatsächlich in unserem Dorfplattenladen) rauf und runter gehört. War damals genau mein Ding, nicht nur musikalisch, sondern auch textlich. Und „Couch Slouch hat mir damals voll aus der Seele gesprochen: Was wollt ihr eigentlich, leckt mich doch, ich will doch nix, nur auf der Couch liegen und meine Ruhe haben. Hat mir damals echt geholfen, die Platte und die Nummer.

    3. Blitzkrieg Bop von ja wem wohl? War der erste Song den ich auf der Gitarre nachspielen konnte. Und steht stellvertretend für die Ramones generell die mich, wie MIllionen andere, animiert haben selber Musik zu machen.

  8. by kilowatt

    Hi Karl, bei „Big Takeover“ bin ich ganz nah bei Dir (wie man so schön sagt). Und noch:

    1. Fehlfarben: Gottseidank nicht in England „Und wenn die Wirklichkeit Dich überholt, hast Du keine Freunde, nicht mal Alkohol. Du stehst in der Fremde, Deine Welt stürzt ein, das ist das Ende, Du bleibst allein.“

    Dazu ein Auszug aus dem Roman „Zeittotschläger“ von Klaus Wittmann: „Plötzlich also gab es die neue Musik, die das „neu“ bereits im Namen trug. Sie wischte alles Gestrige weg. Ganz besonders maßgeblich war „Monarchie und Alltag“ von FEHLFARBEN. Sie knallte in unsere Jugend, und nie wieder würde sie so sein wie zuvor. Was Eltern und Schule nicht bewegen konnte, diese LP tat’s. Sie war kategorischer Imperativ, sagte „Schneid‘ Dir die Haare bevor du verpennst / wechsle die Freunde wie andere das Hemd“. Sie beendete die Frühphase der Neuen Deutschen Welle – und sämtliche Selbstmordphantasien, die man hatte, weil man mit keinem Mädchen ging und stand für „Verändere Dein Leben“. Dieses war vorher dumpf, unsicher, verträumt, behütet, kurz: ohne Bestimmung und Perspektive.

    Plötzlich war Musik nicht länger ästhetische Lautmalerei und schwülstiger Bombast, sondern Aufforderung Ziel Richtung. Sprich: Pragmatismus Aktion Veränderung: Wenn Dich Deine ewiggestrigen Freunde nerven und nicht mitkommen, verlasse sie! Die Musik war schliffgläsern, klar, einfach, überzeugend pulsierend. War verständlich. Sprach! D.E.U.T.L.I.C.H ! Es GAB einen Grauschleier über der Stadt, wir kannten ihn, selbst Mutter und ihr „Test Gut“-Waschmittel konnten ihn nicht wegwaschen: Den Grauschleier des Schweigens bei sprachlosen Abendessen im Kreis der Familie, den Grauschleier des Wegschweigens von Konflikten. Den Grauschleier der Lachleute und Nettmenschen (S.Y.P.H.): „Lachleute und Nettmenschen um mich herum / Fassade, Fassade, alles nur Fassade / sie essen und trinken und kichern dumm / ich kann es nicht mehr sehn, ich kann es nicht mehr sehn // der Geschmack unserer Generation, den kenne ich seit langen schon / Glück und Marlboro für jeden für jeden.“

    Das war keine lindenbergsche oder bapsche Kunstsprache. Sie war real, die direkte Übersetzung unserer Frühachtziger Umwelt in Töne und Texte. Sie fasste das in Worte, was wir dachten, sahen, taten, erlebten. Sie machte klar, was wir nicht ausdrücken konnten. War Ausgangspunkt für neue Ideen und Aktionen. Sie war Bestätigung des Ich, Analyse der Situation, Anstoß zur Veränderung. Die „Gesellschaft“ war/ist der Feind: „Die Schatten der Vergangenheit / wo ich auch geh / da sind sie nicht weit / ich weiß nicht einmal wer ich bin / in der Zeitung zu lesen / das macht keinen Sinn.“

    Und so war’s: Die Pubertät gebärt einen neuen Menschen, aber wer war er danach? Die Musik gab die Antwort. Es gab die Welt zuvor – unwichtig -, es gibt die Welt seither – das Hier und Jetzt. Und nur das zählt. Warum an Morgen denken. Morgen? Oder gar übermorgen? „Übermorgen – da sind wir doch schon längst tot.

    „Monarchie und Alltag“ war vermutlich der größte musikalische und philosophische Einfluss meines Lebens. Als ich mit der verhassten knallroten Tüte aus dem verhassten Plattenladen des Inde-City-Centers kam („Sonderpreis! Nur 18,95 DM!), traf ich auf Erik, der über seinem Drahtesel hing, sich eine Fluppe drehte und mit dem ich bis vor kurzem noch eine QUEEN-Leidenschaft geteilt hatte. Was ich denn gekauft hätte? Wortlos zeigte ich ihm die Hülle. „Du kaufst PUNK?“ platzte es aus ihm hervor. Er war völlig entgeistert. „Klar!“ sagte ich selbstbewusst, „was sonst?!“ radelte davon (Fußgängerzone!) und hatte einen Freund verloren.“

    2. Echo and the Bunnymen: „Simple Stuff“ – Weil wir uns in einfacher Weise ausdrücken sollen, um verstanden zu werden. Im Übrigen die ersten drei LPs der Bunnymen. Komplett, besonders „Turquoise Days“, „Villiers Terrace“ und Over the Wall.

    3. Family 5: „Stein des Anstoßes“ – Wenn Individualismus zu Ausgebranntsein und Alleinsamkeit mit 25 führt, ist das nicht zu entschuldigen.

    kilowatt

  9. by klein-jense

    boah, 3 songs – das geht nicht, dafür höre ich zu viel verschiedene musik…aber selbst wenn ich mich auf punkrock beschränken muss, reichen 3 songs nicht aus. daher probiere ich es mal mit kompletten alben, aber auch das reicht natürlich nicht.

    1. dead kennedys – fresh fruit for rotting vegetables
    ganz einfach, weil es das erste punkalbum war, das ich gekauft habe (zusammen mit opel gang von den hosen). es stellte sich dann heraus, dass ich die platte schon lange von einer kassette eines freundes meines bruders kannte.
    da ging es direkt vom plattenladen (last chance) in das arbeitszimmer von meinem opa, da ich nur so einen plastikplattenspieler mit lautsprechern im deckel hatte.
    tja, da saß ich nu im gediegenen ambiente, und mein 80jähriger opa hörte zu und war offensichtlich verwirrt. ich auch, aber positiv 🙂 nur mal so, der hat mir auch schon mal den iro rasiert, obwohl er es nicht gut fand. R.I.P.
    die bad brains – rock for light würde ich auf dieselbe stufe stellen, aber zugegebenermaßen lege ich die bis heute häufiger auf, als die dk.

    2. VA – this is boston not l.a.
    spätestens mit dieser platte hatte sich englischer punkrock für mich erledigt. das speedlevel war bis dato unerreicht. ich werde nie vergessen, wie ich die platte in den musikunterricht mitgebracht habe, und die lehrerin nach 16 songs fragte, wann denn das lied aufhört.
    (um mal eine deutsche band zu erwähnen – das nikoteens – skateboard tape war auch für hiesige verhältnisse ein durchbruch in sachen geschwindigkeit imo)

    3. poison idea – feel the darkness
    mal abgesehen von der genialen mucke, erinnert mich die platte an eine spezielle zeit in dortmund in der die szenen um verschiedene bands zusammen kamen (spanish flies, trainticket, rimshout, rule 43, lost bottles, yellow sunshine explosion, etc) die zu einigen sehr exzessiven zeiten führte.
    (der film „doppelpack“ spiegelt in teilen diese zeit wieder imo. also die szene, in der sie im tierpark aufwachen ist nicht so abwegig gewesen…)

    ich bin mir sicher, dass ich sobald ich das posting abschicken werde, ich es bereue nicht auch andere bands genannt zu haben, aber was soll’s…

  10. by Andreas Kreimendahl

    1. Song: DEpression von Blck Flag/Johnny Cash „Ring of Fire“
    2. Crass Do they us a living/Motörhead „the ace of spades“
    3. System of a down „Soup choi“/Toxoplasma „1981“

    Es gibt für mich eine Top-Ten!!
    Aber so wäre es okay, wenn ich abdanke!

  11. by kela

    meine erste selbst gekaufte 7“ single war pickney gal von desmond dekker. habe ich damals nahezu kaputt gespielt & höre ich immer noch sehr gerne. war mein erster schritt in ein selbst bestimmtes leben

    temptation von heaven 17 versetzt mich zurück in den sommer 1984, als ich mit eichhörnchen im besetz-a-eck gewohnt habe, & erst alle gemeckert & genörgelt haben: mach den scheiß aus, das ist kein punk…, & dann nachher angekommen sind: ey, kannste mir das mal auf kassette aufnehmen? aber keinem sagen…

    der film purple rain von prince, der mir hoffnung in einer echt beschissenen situation gegeben hat & mitverantwortlich dafür ist, dass ich dieses beschissene leben immer noch ertrage

  12. OK:
    Exploted — Troops of tomorrow
    Dead Kennedy California über alles
    ebenfalls Dead Kennedys Holiday in Cambodia
    Abwärts Kampf mit dem Curryhuhn und die ganze LP Amok-Koma

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