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  "Er wagt das Unfassbare: Er fordert die ganze Menschheit heraus - und keine Armee kann ihn aufhalten" - "Die menschliche Zivilisation muß vernichtet werden! Sofort!"
Knallharte Statements a la SPIRITUS RECTOR - und sie fanden Gehör bei Polizei und Medien...
 
     
 
Spiritus Rector 08/26.07.96
Hunnen brauchen keinen Plan!
- zur Spekulation, ob die Punks nun Bremen überfallen oder nicht -

Die Polizei ist gerüstet, die Stadt besetzt, Hannover im 11tägigen Ausnahmezustand. Jetzt heißt es spekulieren, was die Punks als nächstes planen.

Halt! Allein dieser Satz ist schon ein wirklich guter Witz. Punks planen nämlich überhaupt nichts - sie fallen einfach vom Himmel! Sie folgen den Gerüchten und Ideen, die da kursieren, und wenn alles anders kommt als man denkt, dann ist das auch in Ordnung. Einem Gewitter gleich, werden sie durch die herrschende Stimmungslage nach Hannover getrieben, und die Absicht, ausgerechnet dort ihren Spaß zu haben, wird ihnen niemand austreiben können.

Wer nun allerdings glaubt, Punks seien so eine Art Kamikaze-Kämpfer, die in lang geübter Guerillataktik die Stadt berennen werden, der irrt gewaltig. Dafür sind Autonome, Hools und andere Zeitgenossen zuständig, und die werden ja von der Polizei erst mal nicht weiter beachtet.

Nein, die Punks gehen einfach dorthin, wo es gerade interessant ist, und außerdem gibt es ja keine Führung, die irgendeine Art von "Kampf" koordinieren könnte, sondern lediglich ein freies Spiel der Kräfte.

Diese Gesetzmäßigkeit bewirkt, daß Hannover nicht zum Punkerknast, sondern zum Punker-Trampolin werden wird. Denn wer nicht in die Stadt reinkommt oder von hier vertrieben wird, löst sich ja nicht in Luft auf, sondern muß IRGENDWOHIN. Und glaubt denn wirklich jemand, die Leute fahren einfach wieder nach Hause, nachdem sie sich ein Jahr lang auf die Chaos-Tage gefreut haben?

ALSO IST ES DIE NATÜRLICHSTE SACHE DER WELT, DIE PARTY IN BREMEN FORTZUSETZEN. Dazu braucht man keinen Plan, keine Einigung, sondern lediglich ein Gerücht. Das ist ein wirklicher Automatismus, denn Bremen ist gerade mal ein paar Kilometer von Hannover entfernt und zudem noch ein anderes Bundesland.

Klar, daß sich jetzt die Bremer Stadtregierung in die Hosen macht, fest die Augen schließt und mit aller Kraft in den dunklen Wald ruft: "Wir haben ü-ber-haupt keine Angst und die Punker kommen soundso nicht."

Sie werden kommen, liebe Bremer, denn die vom CHC veröffentlichten Flugblätter sind definitiv KEIN "Fake", sondern schon an vielen Orten aufgetaucht, und das werdet Ihr schon bald merken.

Wenn dann am nächsten Wochenende plötzlich all die aus Hannover herausgeworfenen Punks wie Heuschrecken in Bremen einfallen, dann wollen wir mal sehen, wie schnell Bremens Innensenator Borttscheller(CDU) ein paar Tausend Polizisten aus dem Ärmel schüttelt. Da dürften auf den armen Mann wohl ein paar Probleme zukommen, denn ein Polizeichaos wie letztes Jahr in Hannover ist dann vorprogrammiert. Aber vielleicht sollten sich Bremens Innensenator und Polizeipräsident ja jetzt schon einmal nach beruflichen Alternativen umschauen...?

Und falls sie doch rechtzeitig noch aufwachen und nach hannoverschem Vorbild mit Hilfe Tausender Polizisten die Stadt in eine Festung verwandeln, dann wird auch das den Punks herzlich egal sein: Dann fahren sie halt einfach nach Hamburg zum Jungfernstieg weiter und veranstalten dort ihre Party. Denn auch diese Alternative wird schon seit Monaten in der Szene diskutiert - schließlich bietet sich die von Bremen nicht weit entfernte Hansestadt mit der Hafenstraßen-Tradition für einen zünftigen Punk-Besuch geradezu an, und deshalb sollte man in Hamburg nicht allzu überrascht sein, wenn plötzlich Unmengen von Punks zu einer kleinen Stippvisite anreisen. Einfach so, ohne Plan, unorganisiert und wie gewohnt chaotisch.

Nichtsdestotrotz wird Hannover das erste Ziel bleiben für den großen Punk-Treck, die legendäre Geschichte der hannoverschen Chaos-Tage verpflichtet die Kids regelrecht zu einem Besuch - und wenn er nur dazu dient, sich höchstpersönlich einen Platzverweis abzuholen. Und dann geht´s weiter mit dem 35-Mark-Ticket der Bahn nach Bremen, um auch dort das allseits bekannte Chaos zu stiften. Nach auch hier erfolgtem Platzverweis gilt die gleiche Fahrkarte natürlich auch für die Fahrt nach Hamburg und notfalls auch noch weiter in die nächste Stadt. Überall begrüßt von ortsansässigen Chaoten, Hooligans und anderen abenteuerhungrigen Kids, denen diese spannende Abwechslung höchstwillkommen ist.

Nicht Chaos-TAGE, sondern Chaos-TOUR heißt die diesjährige Parole. Denn den modernen Hunnen macht es bei Ihren Beutezügen nichts aus, wenn sich das Wetter ändert oder der Gegner sich als zu stark erweist. Sie schlafen bei ihren Pferden, reiten von Ort zu Ort, und das nächste Ziel ist immer das beste. Na, das war doch ein prima Satz, den Ihr gerne zitieren könnt.

Zitieren könnt Ihr aber auch folgendes: Hannover hat sich bestens auf die Chaos-Tage vorbereitet. Bremen und Hamburg dummerweise nicht. Sie können sich bedanken bei Hannovers Stadtregierung und Polizeiführung, die ihr Problem einfach per St. Florians-Prinzip in andere Städte exportiert haben.

Im übrigen ein Lehrstück, wie auf der ganzen Welt Probleme angegangen werden. Folglich kann der Hannoveraner Lösungsansatz ja sooooo falsch nicht sein. Immer hübsch die Scheiße in den Garten des Nachbarn schippen, das erspart die Müllabfuhr...
 
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