| Manchmal gibt es Träume, die tatsächlich wahr werden. Bei PERRY handelt es sich um so einen Traum. Nie hätte ich zu hoffen gewagt, daß ich einmal tatsächlich SELBST Herausgeber meines Lieblingscomics der 70er werden würde! Aber genau das wurde urplötzlich Wirklichkeit - und prompt konnte ich es nicht lassen, den guten, alten Perry Rhodan fachgerecht zu punkifizieren... Stück für Stück! Bis es dann irgendwann doch einfach nicht mehr weiterging.
Das ganze kam tatsächlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Anfang 2005 hatte ich gerade mit der ALLIGATOR FARM eine andere bescheuerte Idee wahrgemacht - ein eigenes Comic-Studio! Bald fehlte nur noch ein Projekt, an dem über ein Dutzend noch eher unerfahrene Comiczeichner gemeinsam arbeiten konnten. Also rief ich kurzerhand meinen alten Freund Klaus N. Frick an, der schon seit einigen Jahren Chefredakteur bei der Lieblings-Schundserie meiner Jugend ist: bei PERRY RHODAN!
Ich schlug vor, die Mitte der 70er Jahre eingestellte Comic-Serie PERRY durch die ALLIGATOR FARM wieder zu beleben. Ob als Heft mit Fanzinecharakter oder als "echtes" über die Kioske vertriebenes Heft, sollte zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.
Bald darauf hatte Klaus alles verlagsintern abgeklärt und gab grünes Licht.
Ihr könnte Euch sicher nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war: Meine LIEBLINGSSERIE aus Teenager-Tagen - und ICH der HERAUSGEBER! MANN!
Es war nicht ganz einfach, so viele Comiczeichner zu einem Team zusammenzuschweissen, aber es funktionierte. Mischa, Simone und Philip machten die Grundlayouts. Anschließend wurden immer einzelne Figuren oder Objekte speziellen Zeichnern anvertraut. Simone und Annik machten z.B. die Köpfe der Hauptfiguren, Philip Aliens und Hintergründe. Simone entwarf Gucky, dem Mausbiber und Till tuschte diesen. Wittek kümmerte sich um Soundwords und Effekte und sorgte zudem dafür, daß alles wie aus einem Guß aussah.
Da ich schnell merkte, daß mich als Autor die PERRY-Thematik nicht so sehr interessierte, stieg bald darauf Kai Hirdt ins Team ein, der zunächst einmal die Texte zur schon vorhandenen Story machte.
PERRY-RHODAN-Coverillustrator Sven Papenbrock spendierte zu guter Letzt ein Titelbild, und bald darauf gab's das Heft in Comicläden und Bahnhofskiosken. Mann, waren wir stolz! Wir hatten 30 Jahre nach der Nr. 129 endlich die 130 auf den Markt geworfen und eine damals unvollendete Storyline abgeschlossen!
Und schon ging's wieder bergab...
Ich will Euch hier nicht detailliert die Vertriebsprobleme aufschlüsseln, aber es war ein Horror, der uns bis zum Finale der ALLIGATOR FARM begleiten sollte und verdammt viel Geld kostete! Behaltet das im Hinterkopf...
PERRY #130 wurde speziell von den Lesern der früheren Serie begeistert aufgenommen. Wir hatten uns schließlich stark an den alten Heften orientiert, und da erwärmte sich halt manch nostalgisches Herz.
Dummerweise hatten wir keine Lust, von nun an PERRY als Retro-Heft weiterzumachen. Das wäre zu langweilig gewesen- Hey, von den Zeichnern war bis auf Wittek kein einziger zur Zeit der Original-Serie (bis 1975) auch nur GEBOREN! Mit Nostalgie war denen nicht zu kommen - und sie arbeiteten schließlich UMSONST!
Im Laufe der kommenden Hefte schälte sich immer mehr Vincent Burmeister als PERRY-Hauptzeichner heraus. Zunächst noch in Zusamenrbeit mit Simone Kesterton, die sich aber langsam von PERRY zurückzog. War einfach nicht ihr Thema.
Eigentlich auch nicht Vincents, aber wir entwickelten schnell einen gemeinsamen Draht, wie es mit PERRY weitergehen sollte. wir hatten beide das Gefühl, daß der Comic-Perry einfach total unglaubwürdig war. Hey, der Typ war 3000 Jahre alt, Großadministrator des Solaren Imperiums, kurvte gleichzeitig mit seinem Raumschiff CREST im Universum herum und erlebte dabei die tollsten Abenteuer. Das passte hinten und vorne nicht. In den 70ern war das vielleicht noch egal ("Ach, die Kids merken das doch eh nicht...), jetzt aber KONNTEN wir einfach nicht so weitermachen. Wenn wir einen Comic von HEUTE machen wollten, mußten wir einiges an der Chemie umbruzzeln.
Aber WIE? Das ging eigentlich nur durch eine Demontage Perry Rhodans. Wir mußten ihn runterholen von seinem Denkmal, klarmachen, daß ein Typ, der DREITAUSEND JAHRE ALT ist, eigentlich wenig Gemeinsamkeiten mit Normalmenschen haben KANN, und dass ihn das auch QUÄLT.
Mit Kai Hirdt, der ja die folgenden Hefte schreiben sollte, war es hingegen nicht so leicht, auf eine gemeinsame Linie zu kommen. Wir rauften uns am Ende zwar immer zusammen, aber es hat dem Heft sicher nicht gutgetan, daß wir die Serie eigentlich auf ganz verschiedene Weise behandelten.
Wie auch immer: Wir ließen uns eine Menge einfallen, um PERRY irgendwie "anders" zu machen und speziell die Hauptfiguren vom Schrott der 70er zu befreien: Wolfgang Wendland, der Sänger der Punk-Band DIE KASSIERER, wird ins Geschehen eingebaut und darf Perry ordentlich zur Sau machen. Der ergeht sich in Selbstzweifeln, nur um just in dem Moment, als er sich gerade wieder berappelt, übelst verletzt und sogar verstümmelt zu werden. Perry vegetiert nun in einem Regenationstank herum, während seine Freunde auf Rache sinnen - sich dabei wie selbstgerechte Idioten benehmen!
Leider kam speziell Vincents Zeichenstil bei vielen Lesern überhaupt nicht gut an. Da gab's schon einige ziemlich derbe Kritiken und auch Beleidigungen, was für einen Zeichner, der umsonst an einer Comicserie sitzt, nicht gerade aufbauend ist.
Mir selbst wurde auch irgendwann klar, daß ich da einfach an das falsche Publikum für meine Storyideen geraten war. Und als sich immer mehr herausschälte, daß die ALLIGATOR FARM aufgrund der finanziellen Situation dichtgemacht werden mußte, nutzten Vincent und ich die Gelegenheit, uns von der Farm und PERRY zu verabschieden. Zeit für wichtigeres und auch angenehmeres... und später, da würden wir uns noch mal an einen richtig geilen Schundcomic wagen... für UNSER Publikum!
Dennoch wollte ich PERRY nicht einfach so sterben lassen. Hey, wir hatten schon ein tolles Heft gemacht, und da waren noch eine Menge Leute mit im Boot, die gerne Ruder und Steuer übernehmen würden!
So wird PERRY nun von Kai Hirdt und Maikel Das weiterfgeführt, mit ALLIGATOR FARM als Verlagsnamen. Till Felix ist weiterhin dabei, ebenso der Coverillustrator Henrik Fetz. Frank Freund, Rudi Martens und Carsten Dörr führen die Hauptgeschichte weiter, während eine ganze Truppe weiterer Zeichner an Kurzcomics arbeiten.
Schauen wir mal, was aus PERRY wird - der Punkrockfucktor dürfte wohl zurückgehen, aber ich werde definitiv keine Ausgabe verpassen! |