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"HACKFLEISCH ist ein Punk-Fanzine, wie ich es mir immer gewünscht habe: Keine Konzertberichte, keine Plattenkritiken, sondern bündelweise Bosheit, Offenheit und die Bereitschaft, sich Feinde zu machen"
Aus dem Vorwort von HACKFLEISCH 3

 
     
 
Hackfleisch 3/1985/Text 07
Nieder mit der APPD!
Der Phantasie die Macht..."

In gewissen Kreisen in und um die KORN (sowie um natürlich fast alle Autonomen und Anti-Impis) gehört es mittlerweile zum guten Ton, gegen die Anarchistische Pogo-Partei-Deutschlands (APPD) zu sein; wie man eben alles ablehnt, was aus der Reihe tanzt und anders und damit anormal ist. Wo's doch für alles 'ne Schublade gibt! Und weil die APPD sich da nicht reinpacken lassen wollte, wird eben die Nase gerümpft!

Wie kam es überhaupt zur Neugründung der APPD?

Ende '83 schien klar, daß Hannovers Punk-Szene im Arsch war. Im KORN-Ghetto versauert, waren vielleicht 20-30 Leute übriggeblieben und ödeten sich gelangweilt an.

Wir, das waren damals Tobi, Zewa und ich, wollten daher irgendetwas verrücktes machen, um nicht ganz einzuschlafen. Ja, natürlich, wir hätten ein Fanzine machen können oder 'ne neue Punk-Gruppe oder uns gar engagieren an den weltumpannenden Diskussionen des Autonomen Plenums - eben das, was man so zu machen hat, wenn man schon was machen will.

Wir jedoch dachten uns, daß es doch völliger Quatsch und absolut langweilig ist, einfach das wiederzukäuen, was schon unzählige Leute vor uns durchexerziert haben - und immer noch durchackern. Und so kam uns eben eine Neugründung der vor Jahresfrist aufgelösten APPD in den Sinn, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen...

Daß die ätzendsten Langweiler eh nicht mehr als Gähnen dazu hervorbringen würden, war uns klar, und so geschah's dann auch. Obwohl diese 'neue APPD' eigentlich gar nix mit der alten Partei zu tun hatte, klappten diese bekifften Schwachköpfe einfach die Ohren zu und waren eben dagegen - anstatt sich zu freuen, daß überhaupt mal wieder irgendwer was auf die Reihe kriegt.'

Na gut, da kann man eben nix machen.

Dafür gab's aber zumindest vorläufig ein positives Echo bei der hannoverschen Linken. Man erwartete wohl so herrlich tiefsinnig-ironisch Parolen a la "37 Jahre Frieden sind genug!", die der kluge Kopf einfach nur ins Gegenteil verkehren muß, um sie zu verstehen. Jaja, und daran könnte man dem Volk doch wieder mal die humorvolle Farbenprächtigkeit der linken Szene vor Augen halten, nicht wahr? Der Phantasie, die Macht!

Der Haken an der Sache: Die APPD dachte nicht im Traum daran, sich bei ihrer 'politischen Propaganda' an irgendwelche linke Humor- und Phantasienormen zu halten! Also munter Parolen im Stile von "Für das Recht auf Arbeitslosigkeit!" - "Für ein Deutschland in den Grenzen von 1237!" - "Für Jugendrente!" und "Für Gewalt-Pornos und -Videos!" durcheinandergewirbelt und dabei jede Menge Verwirrung verbreiten! Denn nur so konnte die APPD der Gefahr entgehen, wirklich als ernstzunehmender politischer Ausdruck der Punk-Szene angesehen zu werden, nur so glaubten wir klarstellen zu können, daß eine Partei - auch(und gerade) wenn sie sich 'anarchistisch' nennt niemals eine Alternative zur herrschenden Politik darstellen kann.

Eine APPD im Parlament oder Stadtrat wäre da also genau im Sinne der Leute gewesen, die eh kein Bock auf Parteien und Parlamentsgeschwafel haben. Die APPD hätte nämlich am besten von allen Parteien geschwafelt und gefaselt...

Das konnten wir dem guten Bürger (und dem Landeswahlleiter) aber nicht erzählen, sonst wären wir nämlich nie zu einer Wahl zugelassen worden.

In der gebotenen Form erregt die APPD-Propaganda jedoch nicht nur den Zorn der braven Bürger (wie beabsichtigt), sondern überstieg auch das geistige Fassungsvermögen, den Horizont und die Phantasie vieler mit Scheuklappen besagter Linksdenker. Von deren Seite gab's dann jede Menge Ignoranz und üble Läster-Sprüche - und manch kluger Kopf meinte doch tatsächlich, uns anhand des Parteiprogramms "falsche und reaktionäre Ziele nachweisen" zu können...

Und weil wir fortan natürlich nicht mehr ins kreativ-bunte Schubladenbild der linken (bzw. autonomen) Szene passten, wurde flugs die nächste Schublade geöffnet: Wenn die APPD also nicht auf linker Linie schwebt, dann wird sie wohl was rechtes im Sinne haben, oderwieoderwas...?'!'

Solches Gedankengut ruft natürlich Leute wie den KORN -Veteranen Alfons Diehmer (Vorsitzender des 'Vereins für angewandte Sozialarbeit', also der KORN) auf den Plan; ein Mann der sich zwar durch Höhen und Tiefen hinweg für die KORN eingesetzt hat, in den letzten Jahren jedoch ständig auf der Suche nach irgendwelchen vermeintlichen Nazi-Punks ist, und in dessen Gegenwart man besser das Maul hält, will man nicht auf seine schwarze Verdächtigungsliste geraten.

Dieser Neurotiker sagt doch tatsächlich anlässlich einer Nachbereitung der CHAOS-TAGE: "Die apolitische und rücksichtslose Einstellung der Punk-Szene lässt sich anhand der APPD-Forderung nach 'mehr Gewalt-Pornos' klar belegen!"

So sprach dieser kluge Kerl also und erntete beifälliges Murmeln seiner Jünger. Dieser Ausspruch ist dann wirklich bezeichnend für den geistigen Zustand mancher Polit-Ärsche. Oder sind sie gar nur beleidigt darüber, daß wir unsere kostbaren Energien in eigene Projekte verschwenden und sie nicht in ihre unvergleichlich wichtigeren Diskussionen und Aktionen investieren?

Spätestens da war mir klar, daß ich tatsächlich mit diese Sorte arroganter Idioten nichts mehr am Hut haben will, daß dieses 'anti-imperialistische' elitäre Weltverbesserertum meist pure Heuchelei ist.

Sie reden von der "Phantasie", vom Kampf gegen "organisierte Unmenschlichkeit" und haben doch oft so viel Scheiße im Hirn, daß sie jedwede Ansätze unabhängiger und kreativer Initiative verachten und möglichst unterdrücken.

Nicht nur der böse, böse Staat vergällt einem das Leben, sondern nur zu oft genauso die Holzköpfe, die ihn stürzen wollen, weil nicht einmal sie selbst fähig sind, ihre eigenen Phrasen von Menschlichkeit und Phantasie zu leben. Sie brüllen Weg mit dem Scheiß-System! und sind doch so selbst Scheiß-System.

Sie haben überhaupt nicht gemerkt, wie nahe wir ihnen waren - aber unsere Form passte nicht in ihr Konzept und somit war alles falsch!

Wie stehts jetzt mit der APPD?

Eines ist doch wohl klar: Irgendwann hat man mal die Schnauze voll von der Ablehnung, die einem entgegenschlägt. Schon deshalb, weil die Arroganz einiger linker Spiesser von jeder Menge Mitläufer nachgeäfft wird - weil's eben zum anfangs genannten 'guten Ton' gehört...

Originelles Beispiel - dafür: Als wir mal erwähnten, daß wir irgendwann auch mal ne Anti-APPD-Demo machen würden, bekamen wir von vielen zu hören, daß sie zu dieser Demo gerne kommen würden.

Ähem. Wink mit dem Zaunpfahl? Nee: Brett vorm Kopf!

Also denn, aus der KORN hat man die APPD-Äktschn schon rausgeekelt, und ich finde auch okay, daß sich daran die Borniertheit vieler Leute gezeigt hat. Wir lassen sie gerne weiterjammern über 'unpolitische Punks', darüber, daß sich nichts ändert, daß es nicht 'vorwärts' geht'. Sollen sie doch im eigenen Dreck ersticken.

Sie haben es nicht anders verdient.

P.S: Vielleicht lässt die APPD ja noch mal zu den Schlesier-Tagen hier in Hannover was von sich hören. Wir können ja 'nen Redebeitrag fordern, wo wir dann zu den Schlesiern reden - zum Thema 'Für ein Deutschland in den Grenzen von 1237 Das wär' doch was...
 
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