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"HACKFLEISCH ist ein Punk-Fanzine, wie ich es mir immer gewünscht habe: Keine Konzertberichte, keine Plattenkritiken, sondern bündelweise Bosheit, Offenheit und die Bereitschaft, sich Feinde zu machen"
Aus dem Vorwort von HACKFLEISCH 3
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| Hackfleisch 3/1985/Text 02 |
| "Anarchie!" |
"Anarchie!"
brüllt der gute Punk, ballt die Faust, zerdeppert 'ne Bierflasche und achtet darauf, daß er den Kreis um das soeben gesprühte A nicht vergisst.
Anarchist ist er, wenn er erst mal gegen alles ist, auf Konzerten anderen Punx die Nieten durchs Gesicht zieht (alle gegen alle, Chaos halt ... !) und sich absolut gegen jede Organisation sträubt. Also auf Demos erst mal alleine wegrennen, als in einer festen Gruppe anderen zu helfen, also auf Konzerten lieber die Klos kaputtkloppen ("Anarchie machen"..!")'" als selbst mal so'n Konzert organisieren. '
Schließlich hieß es schon '77 bei den PISTOLS: "I am an anarchist,... I wanna destroy!"
Diese No-Future-Kids gabs tatsächlich mal zuhauf, für sie war 'Anarchie' Pflichtsache - keine Punkjacke ohne das umkreiste A-Zeichen! Das "anarchistische Denken" beschränkte sich bei diesen Punks dann auf ganz wenige Punkte. Militante Parolen kloppen - Steine schmeissen - rumficken - harte Musik hören - saufen/kiffen.
Bei dieser angeblichen "Anarchie" war es dann natürlich für manchen Härtepunk verdammt einfach, das 'politische' Lager zu wechseln. Wie viele hat es schon gegeben, die vom 'Anarcho-Punk' (mit den härtesten Sprüchen) zum 'Nazi-Skin (natürlich auch mit den härtesten Sprüchen!) geworden sind! Schließlich kann man als 'Nazi' genauso gut ficken, saufen & prügeln! Oder sogar noch besser, hat an doch jetzt die starken Horde hinter sich... -
Aber auch heute, wo es z.B. hier in Hannover kaum noch Härtepunx der 'Dead Generation' gibt und die Phrase von der 'Anarchie' eigentlich von den meisten vermieden wird, gibt es noch genug Leute, die sich an hohlen Polit-Parolen festhalten.
Und weil man ja selbst so viel begriffen hat, ist der Rest der Welt angefüllt von Nazis: Nazi-Skins, Nazi-Fußballfans, Nazi-Teds, Nazi-Bullen und eben Nazis. Nicht zu vergessen der faschistische Staat. Alles in einen Topf. Ohne Unterschiede. '
Es ist nun mal leider so, daß sich die meisten durchs Punkwerden nicht wirklich radikal ändern. Die Scheiße bleibt im Hirn. Eben die Scheiße, die jeder von uns durch Erziehung und Umwelt mitgekriegt hat.
Punk könnte die geilste Art sein, frei, kreativ und eben anarchistisch zu leben, einfach aus dem Gefühl raus. Aber: Punks sind nicht kreativ - Punks sind nicht anarchistisch - Punks sind nicht frei!
"Hab ich doch immer schon gesagt!", wird jetzt mancher Arsch sagen (besonders meine autonomen Freunde!), aber da kann ich nur raten, sich mal an die eigene Nase zu fassen. Es läuft doch nirgendwo auch nur ansatzweise so, wir wir es uns vorstellen, wir alle sind doch unfähig, so miteinander umzugehen, wie wir's laufend predigen.
Wir legen die alten Zwänge ab und bürden uns reihenweise neue dafür auf. Alle machen sich gegenseitig fertig, weil alle ihre Spielregeln für alle durchsetzen wollen. So kann uns auf die Dauer nur der Spaß am Leben vergehen. Wie den Spiessern, die sich mit ihren starren unsinnigen Regeln alle Chancen nehmen.
Die ganze Szene, ob nun Punks, Autonome oder sonstiges Geschmeiß, ist doch nur noch fertig, auch wenn manche Leute wohl neuerdings meinen, sich mit RAF-Sprüchen neuen Mut machen zu müssen. Anstatt die eigene Niederlage einzugestehen, werden nur Schuldzuweisungen verteilt.
Ich gestehe meine Niederlage ein und bekenne mich zu meiner Ohnmacht. Allerdings werde ich als Folge davon mir nicht wie so viele den Kopf mit Alk, Dope und Pillen zuknallen, sondern einen kleinen HACKFLEISCH - Amoklauf starten, bei dem mir irgendwelche Tabus scheißegal sind.
Ich wische mir mit meinen Idealen von gestern nur noch den Arsch ab. Was die ganzen Jahre über kein Polizeiknüppel vermochte, haben Menschen geschafft, mit denen ich was zu tun zu haben glaubte. Insbesondere die Polit-Heuchler.
Ich glaub an nix mehrl
Wie's dazu kam, darüber berichtet dieses Heft... |
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- Jugend '85
- Auf der Suche nach dem Zeitgeist... (Hackfleisch 3/1985/Text 01)
- "Anarchie!"
- brüllt der gute Punk und zerdeppert ne Bierflasche. (Hackfleisch 3/1985/Text 02)
- Der große Punk-Schwindel
- Wie man eine "Punk-Bewegung" vortäuscht. (Hackfleisch 3/1985/Text 03)
- Punk-Szene Hannover
- Aus "Deutschlands heimlicher Punk-Hauptstadt". (Hackfleisch 3/1985/Text 04)
- Saturday Night: Korn Live!
- Über den Niedergang eines "Unabhängigen Jugendzentrums". (Hackfleisch 3/1985/Text 05)
- Punk-Rock
- Hannovers Punk-Musiker im Wolkenkuckucksheim. (Hackfleisch 3/1985/Text 06)
- Nieder mit der APPD!
- Der Phantasie die Macht..." (Hackfleisch 3/1985/Text 07)
- Das Ende der Wende!
- Der Traum von der Freundschaft zwischen Hannoveraner Punks und Skins zerplatzt. (Hackfleisch 3/1985/Text 08)
- "Die Besten"
- 30 Skins gegen den Rest der Welt... (Hackfleisch 3/1985/Text 09)
- Chaos-Tage
- Das Ende des "naturwüchsigen Aktionsbündnisses" zwischen Punks und Autonomen. (Hackfleisch 3/1985/Text 10)
- Die Linken
- ... und was die Punks mit ihnen zu tun hatten! (Hackfleisch 3/1985/Text 11)
- Rrrrevolutionär gegen die APPD!
- Gastkommentator Tobi v. Wegen über politische Standpunkte der hannoverschen Ultralinken. (Hackfleisch 3/1985/Text 12)
- Karl Nagel, der Kommandeur der Konterrevolution!
- Der Bruch mit meiner autonomen Vergangenheit. (Hackfleisch 3/1985/Text 13)
- Auffe Fresse
- Erwachsenwerden einfach gemacht. (Hackfleisch 4/1986/Text 01)
- H-Punks
- Das neuste aus der Buntschopfszene. (Hackfleisch 4/1986/Text 02)
- H-Skins
- Was die Glatzen gerade treiben. (Hackfleisch 4/1986/Text 03)
- All you need is Love
- Wen man alles an der Käsetheke trifft. (Hackfleisch 6/1986/Text 01)
- Das ist Klaus...
- Sozialdarwinismus a la Punk. (Hackfleisch 6/1986/Text 02)
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