Immer noch 1976, immer noch NICHTS!

Als Kind empfand ich es als mein persönliches Privileg – oder Handicap, das weiß ich nicht mehr genau – einen an der Waffel zu haben, weshalb ich es meist für eine gute Idee hielt, allzu wirren Gedanken vor den »Normalen« zu verbergen. Die Vorstellung, wie Frankensteins Monster mit Fackeln und Mistgabeln durch die Straßen getrieben zu werden, jagte mir mehr Schrecken ein als das Monster selbst.

Heute weiß ich es besser: ALLE Menschen sind Monstren, ALLE sind verrückt! Wir sind so konstruiert! Das macht uns widersprüchlich und gefährlich, pervers und liebenswert zugleich. Viel unterscheidet uns nicht von dem hässlichen Kerl mit den Nähten in der Fresse und dem Eisennagel im Schädel (»Nagel in der Kappe«, wie man in Wuppertal sagt). Wir sehen nur besser aus. Na ja, die meisten …

Aber die, die von sich behaupten, nicht verrückt, sondern »normal« zu sein – die sind verrückter als alle anderen! Vor denen muß man sich in acht nehmen!

Die verrückte Welt kommt mir vor wie ein Alkoholiker, der genau weiß, was 30 Bierchen pro Tag bewirken (was den gutgelaunten Berufstrinker nicht davon abhält, dem Publikum zuzuprosten, denn die Party wird EWIG weitergehen!). Darin ein total normal wahnsinniges Deutschland mit total normalen Bürgern, garniert mit angeblichen »Subkulturen«. Die von sich zwar behaupten, »irgendwie anders« oder »dagegen« zu sein, aber bei gründlichem Hinsehen genauso behämmert und desorientiert durch die Gegend taumeln wie der Rest der Menschheit.

Weil das besinnungslose Wirrwar um uns herum auf die Dauer keiner aushält, müssen Wunderpillen, Verschwörungstheorien, Haßmasken oder der treuherzige Glaube an DieGrosseUnsichtbareMacht das Schwarze Loch in uns übertünchen. Alternativ tut’s auch ein Kasten Bier – das ganze Leben eine Kneipe!

So wandern wir durch den Supermarkt.

Und mittendrin DU. Ohne Chance, der »GUTE« zu sein, mit reinem Gewissen im Kampf gegen die Schweine, die SCHULD an der Misere sind. Weil Du mitten in der Scheiße steckst und nur überleben kannst, wenn Du Dich an Verbrechen beteiligst. Verbrechen, die jeder o.k. findet, solange nicht auch der letzte Idiot merkt, daß man Dreck am Stecken hat.

Es sind nicht die »großen« Sachen, nicht die Armen, Reichen, Polit-Ticker, Cops, Islamisten, Nazis, Amis und Russen, nicht die Einwanderer und Reptiloiden, die einen fertigmachen. Es ist der alltägliche Terror, der Dir Stück für Stück das Hirn zersägt oder mit stetig fließenden Säuretropfen die Hoffnung zerfrißt. Ein Trommelfeuer unaufhörlicher Einschläge, dem keiner entkommen kann, weil uns der Mix aus ARBEIT plus Überall-Botschaften auf Plakaten, Klamotten und verführerisch lächelnden Monitoren keine Chance läßt. Außer bitterer Einsamkeit mit ganz, ganz viel Hyperkommunikation ohne Anfassen. Wobei Anfassen behaglicher wäre, oder? Na, sag‘ das mal Deinem Geldautomaten!

Sei ehrlich: ES IST IMMER NOCH 1976, und Punk hat es nie gegeben! War alles nur eine Fata Morgana, ein Furz der Geschichte.

Na klar, wir haben jetzt Facebook, Botox und bald Kopfverpflanzungen, kannst auch 30 Milliarden Songs Apple Music oder Spotify direkt in Dein Gehirn streamen. Aber – oder deshalb!- ist unterm Strich alles wie immer, nur schlimmer. Die Nervensägen und Lügner wollen uns wie gehabt ihren angeblich angesagten Müll verkaufen, indem sie leblose Dinge mit »Liebe« vollpumpen, einer »Botschaft«, »Lebenseinstellung« oder gar dreist mit PUNK. Und MEHR muss es sein, sekündlich MEHR!

Die Dinge, die Dir vielleicht gefallen würden, kannst Du in keinem Laden kaufen – eigentlich WILLST Du das auch gar nicht! Oder nur HEIMLICH, um auf herrlich sado-masochistische Weise lustvoll den USB-Dildo ins Arschloch zu stecken. Und zu übertünchen, daß Du längst nicht mehr weißt, wonach Du Dich WIRKLICH sehnst.

Es gibt KEINEN PLATZ FÜR DICH! Keine coolen Läden oder Orte voller Freiheit, zum Abhängen und Wohlfühlen für lau – mal abgesehen von einer Handvoll schrumpfender Asi-Reservate, wo Dir ständig die Bullen im Nacken sitzen. Alle wollen Deine Kohle oder daß Du untertänigst ein Glaubensbekenntnis unterschreibst und in gleichgeschalteten Armeen mitmarschierst.

Es gibt NICHTS für Dich, wenn Du ein Nichts bist und ein Mensch sein willst. Und erst recht gibt es keine Fahne, für die es sich lohnt, Dein Blut zu verspritzen oder anderen die Fresse einzutreten.

Aber es gibt Dein LEBEN!

Verschwende es nicht damit, die von Kontrolljunkies aufgestellten Regeln und Textbausteine der Wahrheit nachzubeten, nur weil Du keinen Verdacht erregen willst! Zeig Deine Frankenstein-Narben! Und glaube ja nicht, daß Du das einzige, glubschäugige Monster bist, das kein Zuhause hat! Scheiß drauf, daß wie 1976 immer noch DIE NORMAL VERRÜCKTEN die Welt beherrschen. Während Du … nur ein NEANDERTALER von vorvorvorgestern bist, der in einer für ihn völlig unverständlichen Welt irgendwie überleben will. Fressen, lieben und geliebt werden – nicht ohne ab und zu die Keule zu schwingen, weil das gut für den Hormonhaushalt ist. Genauso wie HEMMUNGSLOSES BRÜLLEN!

Öffne Deine Sinne für die Erkenntnis, welch ein Kasperltheater der Planet Erde ist und erfreue Dich  daran! Eine außergewöhnliche Vorstellung namens LEBEN, und DU bist dabei! Das ist DEINE Show, und schon morgen kannst Du tot sein! Keine Angst, die Wahrheitsapostel um Dich herum sind auch nur arme Irre. Denn das Rettungsboot ist nicht in Sicht, folglich kann dir keiner einen Platz darin versprechen.

Der Sprung in die Zeitmaschine, hinein ins Jahr 1976, das könnte auch heißen: So wie alle anderen einfach nur ficken wollen, aber bitteschön zu DEINEN Bedingungen! Ohne der Fußballtrainer des Planeten zu sein, der wild gestikuliernd vorm Fernseher herumhampelt und nicht mit seiner Meinung geizt. Weil er ja vom Sofa aus einen viel besseren Überblick über die Spielzüge aller Akteure hat.

Zugeben, daß man keine fundierte Meinung auf Tasche hat, das wär‘ mal was!

ICH bin ein armes Würstchen wie Du, Du Urmensch mit Make-Up auf Viagra, aber immerhin WEISS ich das! Keine Blume auf einem Haufen Scheiße, sondern ein hilfloser HOMO. Nicht »überall Idioten außer Dir und mir«, sondern JA, ich mag Schund und schaue mir miese Fickfilme an, wenn ich alleine in meinen Bunker dahinvegetiere! JA, ich glotze mir die Augen aus dem Kopf, wenn eine Frau mit dicken, wackelnden Titten vorbeiläuft oder im Fernsehen von blutigen Selbstmordanschlägen berichtet wird! JA, ich habe Angst vor dem Fremden, dem Alter und davor, die nächste Folge von „The Walking Dead“ zu verpassen! Und JA, ich will auch meinen Arsch ins Trockne bringen, in diese total lächerliche Unmöglichkeit, so wie die meisten meiner Mitstreiter von früher. Die haben ihren Bunker in einer schnuckeligen Wahnsinns-Datscha gebaut und ärgern sich nun über Blattläuse, während sie über Abstiegsgefahren des FC St. Pauli sinnieren. Und NEIN, ich warte nicht auf den Beifall von ganz oben, weil ich meinen Müll trenne, mich am »Aufstand der Anständigen« beteilige und zum Dank in den Himmel komme!

So geht das auf ’76er-Art: Was Punk ist, bestimme ICH, und wenn die Sehnsucht unerträglich wird, erschaffe ich die Große Liebe eben SELBST. Ich beklage mich nicht, dass es es 1976 ist und es NICHTS gibt. Es ist eine Chance, und ich werde sie nutzen! Denn wo nichts ist, ist Platz für unendlich viel Neues!

Und mit ein bißchen Glück liebe ich sogar DICH, wenn Du aus Fleisch und Blut bist und Deinen primatentypischen Irrsinn nicht zu tarnen suchst. Bück’ Dich, leck’ meinen Schweiß, vergiß alle Peinlichkeiten, und wir haben ’ne Menge Spaß zusammen! Wenn die Pheromone stimmen.

Über den Sex mit Dir, den totalen Brainfuck, davon handelt mein Geschreibsel. Lies!

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