Ich bin ein positiver Mensch. Wenn ich eine Idee habe, dann will ich sie auch ausprobieren. Ich singe in einer Band, die sich »Positive Mental Attitude (PMA)« auf die Fahne geschrieben hat. In meiner Plattensammlung gibt’s keine Heulnummern und Jammertäler. Wenn ich im Haus unterwegs bin, grüße ich jeden. Sogar Leute, die ich nicht kenne. Und man sagt mir eine gewisse ansteckende Begeisterungfähigkeit nach.

Trotzdem behaupten manche Leute (speziell bei Facebook!), daß ich zuviel jammere. Das liegt wohl daran, daß ich auch den bizarren und dunklen Momenten des Lebens etwas abgewinnen kann und gerne darüber schreibe. Nicht ohne Humor, aber ich kann nicht von jedem erwarten, den zu entdecken. Ohne Smileys.

Deshalb gibt’s heute Klartext. Ein Loblied auf die prickelnde Schönheit des Alltags. Ohne Jammern. Positivismus pur. Denn erst vor kurzem hatte ich einen wundervollen Tag. Und davon möchte ich erzählen. EXAKT SO ist er verlaufen! Danach werdet ihr mich alle lieben. Besonders die Frauen.

Samstagmorgen, den 7. November 2015. Ich merkte, wie die Welt in mein Bewußtsein drang, in weichen, freundlichen Schüben. Ohne lästiges Weckerrasseln. Ich hasse Wecker und besitze seit Jahrzehnten keinen mehr.

Ich setzte mich auf, streckte die Arme so weit ich konnte und salutierte.

»Guten Morgen, Cap!«

Captain America grüßte nicht zurück, weil er nur auf meine AVENGERS-Bettwäsche aufgedruckt ist. Aber es geht doch nichts über ein schönes Morgenritual!

Ich kletterte das Hochbett hinunter, sprang gleich unter die Dusche. Und sang was von Elvis. »Well, that’s allright, Mama …« Elvis geht unter der Dusche hervorragend. Als Heulboje im Regen, mit der einen Hand den Nassrasierer über die Glatze, die andere am Schwanz. Immer nur schütteln und gleiten, schütteln und gleiten!

Abtrocknen, Unterhose an, ein paar Mal an der Klimmzugstange rauf und runter. Nicht perfekt, aber es wurde besser. Vollbrett Reggae durch die Bude pusten, das Vibrieren der Bässe genießen und dazu tanzen.

Wenn ich anschließend ein paar Zeilen aus einem x-beliebigen Buch von Charles Bukowski lese, dann ist der Tag in trockenen Tüchern. Das alles tat ich an besagtem Samstagmorgen.

Ich weiß natürlich, daß Bukowski der Held vieler Pubertierender ist. Die eigene Wohnung versiffen lassen, hemmungslos saufen und vögeln – das ist FREIHEIT, die sie sich vorstellen. Aber das ist es ja gar nicht, was ich an Bukowski mag. Ich trinke ja noch nicht mal Alkohol.

Und doch las ich mit großer Freude Bukowskis Zeilen: »Ich trank meine erste Flasche Bier vollends aus und schmiß sie mit Wucht in die große Holzkiste.«

Ich lachte und bedankte mich beim lieben Gott, daß ich nicht trank.

Aber man kann keinen Bukowski lesen, ohne anschließend ans Ficken zu denken. Ich schmiß mein iPhone an und ließ mir bei Tinder ein paar Weiber zeigen.

Nach ein paar Schabracken, Mäuschen und Langweilern, die ich sämtlich beiseitewischte, kam eine große Blonde. Sie lachte auf allen Fotos und erinnerte mich ein bißchen an Claudia Schiffer. Sie war 47 und bestimmt ein Satansbraten mit Vorliebe fürs Shoppen.

Ich wischte nach rechts, einfach so, denn eine Tussi wie die hatte ich noch nie. Mir fiel die Kinnlade runter, als Tinder groß ein MATCH anzeigte. Heilige Frankensteinscheiße – die Alte stand auf mich!

Ich tippte gleich was rein. »Fremde Planeten, klar, aber warum nicht? Es geht doch nichts über einen anständigen Kulturschock. Bist Du dabei?« Und raus damit.

Mit einer fixen Antwort rechnete ich nicht. Es war schließlich erst 8:22.

Zeit fürs Frühstück. Früher stand ich gar nicht auf Müsli. Milchige Öko-Scheiße und so. Aber seit ich mal spaßeshalber »Kölln Mühlenklassiker – mit ganz vielen Nüssen« ausprobiert habe, haue ich mir das Zeugs tonnenweise rein. Mit Rosinen, Milch und Honig, einmal durch die Mikrowelle gejagt.

Ich hatte gerade den letzten Löffel intus, da klingelte es an der Tür. Ich öffnete, und der DHL-Bote übergab mir ein Päckchen von T-Mobile. HAMMER! Mein nagelneues iPhone war glatt eine Woche früher als angekündigt angelandet! Und zwar das ganz dicke Ding: 6s+. PLUS, kapiert? Mit 64 Gigabyte. MEINS!

Das ausgepackte Gerät fühlte sich schon mal wunderbar an. Fast erotisch. Nicht mehr harte Kanten wie mein altes 5er, bei dem sich langsam das Display zu lösen begann. Ein echtes Brett, ein Riesending! Aber nicht in meiner Hose. Technik macht mich zwar an, aber meine Libido beflügelt sie nicht besonders. Sie ist ANDERS GEIL.

Ich steckte also das Riesending an meinen Mac und übertrug die Daten von dem alten Ding. Das sollte eine Weile dauern.

Es klingelte schon wieder. Meine Tochter stand vor der Tür. Nennen wir sie mal Lena. Ihr müßt ja nicht alles wissen.

Ich ließ Lena rein.

»Kann ich noch mal bei dir das Lied von Adele singen?«

Natürlich konnte sie. Ich war ja schon froh, daß ihre ONE-DIRECTION-Begeisterung merklich nachgelasssen hatte und sie sich nach anderem umzuschauen begann. Momentan sang sie »Rolling In the Deep« von Adele. Das wollte sie in meinem Heimstudio üben. Mein kleiner Engel!

Ich stelle ihr den ganzen Technik-Klimbim ein, und Lena setzte sich die Kopfhörer auf.

»Tschüs, Papa!«

Und machte eine Handbewegung.

Ich schloss die Tür von außen und grinste. So sollte es sein!

Das Bukowski-Buch lag noch aufgeklappt auf dem Wohnzimmertisch. Ich las weiter. So Sachen wie: »Ich steuerte das Scheißhaus an. Die ganze Bar kam mir hoch.« – »Ich rammelte schneller, aber es half nichts.« – »Ich ackerte ihn rein. Es war großartig.«

Meine neues iPhone machte ein Geräusch. Eine Nachricht von Silke. So hieß mein jüngster Tinder-Scharfmacher. »Ich will wieder das Leben genießen.«, schrieb sie. Und sie wollte mich treffen.

Die Sache war klar. Der Alten war das Leben zu langweilig geworden, sie wollte mal wieder richtig lustvoll ficken. Und so ein wilder, wolfsmäßiger Typ mit Lederjacke, der war jetzt genau das richtige. Mir sollte es recht sein.

Ich schrieb zurück.

»Bin leider ab morgen für ne Weile nicht in Hamburg. Aber wenn es Dir nicht zu spontan ist, können wir uns heute abend bei ‘nem Punkkonzert im Hafenklang treffen. Da will ich eh hin.«

War ihr nicht zu spontan, nee. Im Gegenteil. Sie wollte. Das war ja genau so ein Abenteuer, nach dem sie lechzte! WILDE PUNKER! Ich hätte wetten können, daß sie nie zuvor auf einem Punkkonzert gewesen war.

»Ok. 11 Uhr vorm Eingang.«

Mittlerweile hatte Lena genug gesungen und stand wieder auf der Matte. »Was machst Du denn heute noch so?«, fragte ich.

»Ich gehe mit Sarah und ein paar anderen auf den Dom.«

Ich wußte, wie ich ihr Herz endgültig zum Schmelzen bringen konnte und zog einen Zehner aus der Tasche.

»Kannste aufn Kopp hauen!«

Lena strahlte, umarmte mich und machte sich vom Acker.

Den Rest des Tages beschäftigte ich mich mit ein paar neuen Songtexten. Wir hatten zuletzt drei weitere BAD-BRAINS-Songs ins KEIN-HASS-DA-Set aufgenommen. Die haben nun so schöne, lebensbejahende Titel wie »Liebe«, »So erfrischend« und »Leben ohne Fron«.

Ich sang und schrie und jodelte den ganzen Kram wieder und wieder, bis all die positive Energie mein Hirn in Grießbrei mit Rosinen verwandele. Und die Singerei hatte mich noch sinnlicher, körperlicher, unkontrollierter gemacht.

Ich kletterte auf mein Hochbett und ließ noch ein paar Bukowski-Zeilen in meine heiße Birne fließen. Dabei stellte ich mir vor, wie ich Silke ficken würde. Und schlief erschöpft ein.

Ich wachte erst gegen Sieben wieder auf und machte mir nun tatsächlich Grießbrei mit Rosinen. Wie lecker! Letztere würden später vielleicht als langgedehnte, heulende Fürze meinem Arschloch entweichen, aber das war mir egal. Bis dahin war der Drops gelutscht.

Ich schmiss den Beamer an. Da waren noch zwei Folgen von »The Walking Dead«, die ich noch nicht gesehen hatte. Ich legte die Beine auf den Tisch und widmete mich dem endlosen Gemetzel, den quellenden Gedärmen und zerplatzen Köpfen. Glenn starb. Angeblich. Heiße Diskussionen auf Twitter, ob sein Tod vielleicht nur eine Fake-Nummer sei und er gar nicht von der Zombie-Meute aufgefressen worden war.

Das haben wir früher nicht gehabt. Da hat keiner daran gezweifelt, ob irgendwer im TV wirklich den Serientod gestorben war. Und wenn sich bei ›Dallas‹ etliche Folgen und Staffeln als nur geträumt herausstellten, dann war das zwar auch ne Verarsche, aber kam immerhin überraschend. Heute sind wir alle dabei in der TV-Demokratie. Wie klasse! Und ernüchternd. Aber nein, ich will nicht jammern. Ich mag die Welt, wie sie ist! Mehr, mehr, mehr davon!

Es wurde Zeit. Ich zog meine Jacke an und klemmte zur Feier des Tages meinen Zimmermannsnagel in die Halskette. Immerhin war heute Iphone-Premiere, und außerdem wollte ich Silke beeindrucken.

In der S-Bahn zog ich gleich meine neues Spielzeug aus der Tasche. Ein bißchen tindern, SpiegelOnline, so wie alle eben. Nur war mein Ding eben geiler.

Ich bemerkte, dass neben mir ein Kind stand und auf mein iPhone-Display starrte. Ein Mädchen, vielleicht 8 Jahre, Kapuzenmantel. Das Mädchen glotzte also und kam mir dabei näher und näher. Zuerst war mir das ein bißchen unangenehm. Dann sah ich, daß sie nur Teil eine Gruppe war, etwa 7 oder 8 Leute. Sie wirkten fremd und fremdländisch, ihre Klamotten falsch und alle schauten unsicher drein. So stellte ich mir Vertreter der aktuellen Flüchtlingswelle vor. Waren sie wohl auch.

Ich wollte, daß sie sich nicht ganz so fremd fühlten und lächelte das Mädchen an. Das lächelte scheu zurück. Ich nahm ihren Zeigefinger und drückte ihn aufs Display. Das Mädchen tippte wild und blind herum, eine App ging auf, und ich ließ sie noch ein wenig machen. Dann mußte ich aussteigen, und das schöne Spiel fand ein Ende.

»Tut mir leid.«, sagte ich und steckte das Handy in meine Jackentasche. Das Mädchen verstand nicht, was ich sagte, wohl aber, was ich tat. Sie lächelte jetzt zwar nicht mehr, dennoch hatte ich mein Bestes gegeben. Ich war einer von denen, die nett zu ihr waren. Kein Rassist. Das war auch gut für mich. Positive Energien, hey! Willkommenkultur!

An der S-Bahn-Station Königstraße zog ich mir eine Ritter Sport Voll Nuß aus dem Automaten. Knick-Knack, auf, rein damit. Unglaublich, wie schnell ich eine ganze Tafel verputzen kann!

Ein Typ kam mir entgegen. Halblange, wirre Haare, glotzte ein bißchen verwirrt aus der Wäsche. Marke Großstadtopfer.

»Sag mal, hast Du vielleicht 20 Cent für mich? Das wäre echt nett.«, fragte er.

Ich gab ihm 30 Cent.

Vorm Hafenklang stand ein Dutzend Leute. Von drinnen schrammelte irgendeine Band. Keine Ahnung welche. CHEFDENKER waren zuletzt dran, das wusste ich.

Ein Typ sprach mich an. Er trug ein Chaostage-T-Shirt.

»He – hätte nicht gedacht, daß man dich hier sieht. Der Nagel höchstpersönlich!«

Der Abend war gerettet. Es war eindeutig, daß ich auch von der jüngeren Generation noch nicht vergessen war. Ich unterhielt mich eine ganze Weile mit ihm.

Seine Freundin stand nur dabei und sagte nichts. Sie war ein Riesenweib, bestimmt 1,85 und hatte feuerrote Haare. Das pralle Leben lachte mich an, allerdings 30 Jahre jünger als ich. Dann sagte sie doch was.

»Kann ich ein Foto mit Dir machen?«

»Mach doch.«

Der Freund der Roten griff sein Handy, und seine Freundin nahm mich in den Arm. Mir wurde ganz anders. Nach click & cheese drückte sie mich zum Dank ganz fest an sich. Daß ich eine Mordslatte hatte, konnte ihr nicht entgangen sein. Aber sie strahlte mich weiter an.

Ich überlegte schon, ob ich Silke nicht besser sausen lassen sollte, als ich Gebrüll hörte.

»NAAAAGEEEEL«

Und dann stand da Sascha. Den kenne ich schon seit über 30 Jahren. Andere kennen ihn als Sänger der ABGEFUCKTEN SACKGESICHTER. Ist Fun-Punk, na ja, nicht so meine Baustelle, aber geschenkt. Ein prima Typ!

Es folgte das übliche Gesabbel, wenn man sich ewig nicht gesehen hat. Abklopfen, Sprüche, nachfragen, was machen Frau, Kind und die Band? Sascha hatte ganz schön einen im Kahn.

»Wir haben jetzt auch einen Song gegen Pegida.«, sagte er. »Wir machen zwar Fun-Punk, aber gegen Nazis müssen alle was machen. Und das sind Nazis.«

»So isses. Die Wixer sollen sich gehackt legen. Elende Nazi-Bastarde. Die sind wie Adolf! Aufs Maul! Wir sind die Guten!«

Wir lachten und klatschten uns ab.

Es war erst halb elf, und Silke natürlich noch nicht da. Ich ging schon mal rein, bezahlte 11 Euro und stürzte mich in den Pogo-Mob. Ein Gruß hier und da, sehen und gesehen werden, schieben und drängeln. Dann war ich im Pit.

Wer da auf der Bühne stand, war mir egal. Ich wollte nur ein bißchen die Sau rauslassen. Und jeder sollte sehen, daß ich zwar ein alter Sack bin, aber mir keineswegs die Wurst vom Brot nehmen lasse.

Nach 10 Minuten hatte ich genug für meinen Ruf getan und grub mich schweißnass wieder aus der Masse raus. Ich mußte pissen.

Als ich das Klo verließ, stand da die Rote von vorhin, diesmal ohne ihren Kerl. Das würde jetzt nicht einfach. Sie wollte aber gar nicht labern, sondern ging gleich zur Sache und stecke mir ihre Zunge in den Mund. Das machte mich zwar sofort geil, aber ich hatte nicht vergessen, daß es gleich 11 war. Wenn ich jetzt nicht aufpasste, würde es gehörig krachen. Zumal ja auch noch ihr Macker hier rumlief.

»Hey, ich finde dich toll, aber das geht nach hinten los. Dein Freund … weißt schon … und meine Freundin kommt auch jeden Moment.«

Ok, Silke war nicht meine Freundin, aber detaillierte Erklärungen waren mir jetzt zu kompliziert. Stattdessen gab ich ihr meine Visitenkarte. »Ruf mich mal die nächsten Tage an. Dann treffen wir uns auf nen Kaffee oder so.«

Sie grinste, sagte aber nichts weiter und steckte die Karte ein. Und verschwand im Getümmel.

Ich ging wieder nach draußen, wo mir auch gleich der Freund der Roten über den Weg lief. Er sagte was Nettes zu mir, worauf ich ihm ebenfalls meine Visitenkarte überreichte.

»Laß uns mal treffen.«, sagte ich.

Dann war auch schon Silke da. Sie tauchte wie aus dem Nichts auf und hatte sich definitiv Mühe gegeben, anlaßgerecht auszusehen. Ein bißchen lockerer und ungezwungener eben. Kein tolles Kleid und auch keine schicke Handtasche. Die Haare ungebürstet. Der out-of-bed-Look.

Trotzdem wirkte sie ein bißchen wie ein Fremdkörper zwischen all den Leuten, die vor dem Eingang herumstanden. So ein Dresscode will eben gelernt sein. Und genau diesen hier kannte sie wohl nur aus dem Fernsehen und aus irgendwelchen Zeitschriftenberichten.

Wir unterhielten uns ein bißchen, kamen aber nicht so recht in die Gänge. Sie fühlte sich unwohl zwischen all diesen schrägen Gestalten, das war ihr deutlich anzumerken. Es war klar, war zu tun war.

Vorher mußte ich aber noch einen Typen loswerden, der soeben begonnen hatte, mich vollzulabern. Er war etwa Anfang 30 und erzählte mir seine Lebensgeschichte und wie toll es auf den Chaostagen 2000 gewesen sei. Und daß ich doch mächtig stolz darauf sein könnte.

Ich war nicht stolz darauf. Mein Ego hatte für heute genug Streicheleinheiten bekommen. Es reichte.

»Super Sache, Alter.«, sagte ich. »Aber ich muß mich jetzt um die Frau hier kümmern. Verstehst Du?«

Immerhin, er verstand. Ein kurzer Blick reichte. Die meisten verstehen so was. Wenn man aber an einen mit Brett vorm Kopf gerät, dann kannst du den Abend abschreiben. Heute hatte ich Glück.

Ich wandte mich Silke zu. Sie lächelte mich an, weil sie wußte, daß ich den Typen für sie in die Wüste geschickt hatte. Sie sah aber auch wirklich bezaubernd aus. Eine Hammer-Figur, dazu die Löwenmähne, und der elegante Rhythmus ihrer Hände brachte mich gleich auf andere Gedanken.

»Laß uns doch einfach ein bißchen durch die Gegend laufen«, sagte ich. »Bei dem Lärm kann man doch sowieso nicht reden.«

Ich sah, wie sie förmlich aufatmete. Ohne ein weiteres Wort griff sie meine Hand und wir marschierten davon.

Nach einer Weile wurde sie dann richtig gesprächig. Das lag auch daran, weil es mir gelang, die Klappe zu halten. Es reichten ein paar gezielte Fragen, und es brach alles aus ihr heraus. Die Öde ihres Lebens, ihr gutbezahlter Job in einer Werbeagentur, der sie nur noch ankotzte. Das stilvoll eingerichtete Haus, wo sie mit ihrem Ex zwar 9 Jahre gelebt hatte, aber im Bett schon lange tote Hose war. Er war zu einer unerträglichen Trantüte verkommen, und sie hatte ihn rausgeworfen.

Er war also weg und die beiden Kinder – 16 und 14 – noch da, aber »das kann es doch nicht gewesen sein, oder?«

Jungejunge, sie war echt am Ende, das war offensichtlich. Und was sie im Sinn hatte nicht zu übersehen. Aber ihre Geschichte hätte ich mir gerne erspart. Ich wollte doch nur mit ihr ficken. Alle Kohlen lagen längst auf dem Feuer und glühten immer heißer. Nur darum ging es. Ich wollte nicht zu sehr an ihrem Leben teilhaben und auch mein eigenes vor ihr schützen.

»Wollen wir nicht lieber zu dir gehen? Da ist es doch bestimmt gemütlicher.«, sagte sie.

Ich begann zu schwitzen. Jetzt wurde es ernst. wie konnte ich nur so ein Schwachkopf sein, mich mit einer Frau dieser Sorte einzulassen? Wenn die meine Bude von innen sah, würde sie bestimmt gleich rückwärts wieder rausgehen. Und untervögelt wie sie war, würde das ganze bestimmt in fiesen Leistungssport ausarten. Ich war doch mit meinen Klimmzügen und Liegestützen erst ganz am Anfang.

Aber wenn man den ganzen Tag Bukowski gelesen hat, kann man die Sache mit dem freien Willen vergessen. Ich konnte ja gar nicht mehr dankend ablehnen. Ich mußte meine Urtrieben folgen und die Alte flachlegen. Sonst hätte ich nie wieder in den Spiegel schauen können. Und dem Charles seine Werke wären im Altpapier gelandet.

Als Silke meine Türschwelle überschritt, war alles ganz anders. Völlig entrückt spazierte sie durch meinen Flur und studierte die vielen Punkfotos an der Wand. Sie lachte, als sie entdeckte, daß ich mal Haare gehabt hatte (dazu noch bunt und wild vom Kopf abstehend!) und gab mir einen Kuß. Zwar nur ein ganz kurzer, aber die Funken flogen den Flur rauf und runter.

Im Wohnzimmer ratterte sie mit ihren langen Fingern an den Bücherregalen entlang. Daß sie sich für meine Frankenstein- und Godzilla-Poster dermaßen begeistern konnte, hätte ich nie im Leben für möglich gehalten.

Sie zeigte auf die fast lebensgroße Vampirella, die über meiner Glotze an der Wand hängt.

»Macht dich so was an? Hast du dir auf die schon mal einen runtergeholt?«

Sie wartete meine Antwort gar nicht erst ab, sondern öffnete meine Hose und packte meinen Schwanz aus. Der war verdammt hart. Und vorne schon mit Glibber eingeschmiert. Er stand weiß Gott genauso wie Silke unübersehbar unter Strom.

Sie verschenkte keine Zeit und warf mich aufs Sofa. Die eine Hand an meinem Schwengel, begann sie an meinem Hals zu saugen, während ihre andere Hand vorsichtig über meine Glatze kratzte.

Mir wurde heiß und heißer. Ich griff ihr unter die Bluse und öffnete den BH. Dann zog ich ihr nach und nach den Rest aus. Ich drückte ihren Oberkörper ein wenig weg von mir. Ich wollte sie betrachten. Ihre Brüste waren nicht riesig, aber gut in Form. Sie waren geschwungen und rund, und von der Seite bildeten sie eine wundervolle Silhouette. Unfassbar, daß diese Frau bereits zwei Kinder geboren hatte! Sie hatte die guten Gene. Ich war ein Glückspilz!

Ich begann ihren Körper von oben nach unten Stück für Stück abzuküssen. Gut, ich kann in erotischer Hinsicht sicher nicht das Rad neu erfinden; Pornos müssen andere drehen, Erfindungsgeist ist nicht meine Stärke. Aber Leidenschaft kann mir keiner absprechen.

Obwohl ich nicht der legendäre König der Muschilecker bin, wollte ich es diesmal tun. Unbedingt. Bei dieser Frau. Es kam mir so leicht vor, und so war es auch. Sie begann zu hecheln wie ein Hund in der Sommerhitze, zu schnauben wie ein nicht eingerittenes Pferd.

Plötzlich stand sie auf und zog mich zur Raummitte. Sie zog mich aus, stürmisch und flink, drückte mich zu Boden. Und schon saß sie auf mir drauf und ich in ihr drin. Das gefiel mir gut. Nein, es war herrlich! Und es war bequem. Keine anstrengende Missionarsstellung, bei der meine Oberarme schnell schlappmachen. Abgesehen davon lass ich mich auch lieber von Frauen pflücken als die schwere Arbeit zu machen. Den ganzen Eroberungsscheiß.

Mein Gehirn meldete sich noch einmal zu Wort.

»Wenn du willst … ich habe noch ein paar Präser …«

»Scheiß drauf! Mir ist jetzt alles egal! Ich hab ne Spirale.« sagte sie und lachte.

Mir war jetzt auch alles egal, mein Gehirn ausgeschaltet. Und es machte so auch viel mehr Spaß.

Wir flutschten hin und her, und ich wußte nicht, ob ich ihr in die Augen schauen sollte oder lieber den Bewegungen ihren Brüste folgen. Mit beiden Händen umfasste ich ihren Hintern, und wir fickten und rammelten, rammelten und fickten. Langsamer und schneller. Weicher und härter. Mal tiefer und dann gerade so, daß er nicht rausrutschte. Manchmal rutschte er trotzdem raus. Dann lachten wir und ich biß in ihren Hals. Bis es dann weiterging.

Als ich merkte, wie das Kitzeln in mir immer stärker und es langsam brenzlig wurde, ging ich auf Nummer Sicher.

»Gleich kracht’s … soll ich lieber nen Gang runterfahren?«

»Erzähl keinen Mist! Hau’s raus! Jetzt!«

Und ich gab Gas. Vollbrett. Sauste die Sprungschanze hinunter, bis ich IN DER LUFT WAR. Das Raumschiff schaltete den WARP-Antrieb ein, und Megatonnen Energie strömen aus mir raus, hinein in ihren magischen Unterleib. Ich konnte sie förmlich sehen, die Blitze vor meinen Augen, hielt die Luft an vor Erstaunen über dieses Wunder.

Und dann mußte sie raus, die Luft, mit einer GEWALT VON 120 DEZIBEL, ICH FÜHLTE MICH WIE EIN RÖHRENDER HIRSCH!!!

Und sie schrie: »SPEEEERMAAAA!« Und lachte dabei irre, ohne ihren Ritt zu unterbrechen.

Jede ihrer Bewegungen ließ mich LAAAAUUTTTEEER UUND LAUUUTTEEER WERDEN. Ich kam mir wie eine Hupe vor, die jemand – Silke! – unaufhörlich drückte. Es fühlte sich ein bißchen wie Schmerz an, aber es war der tollste Schmerz, den ich mir vorstellen konnte. Und ein fremder, unbekannter Wille zwang mich, sie abzusaugen und abzulutschen. Ich musste sie beißen und an ihren Haaren ziehen. Bis ich alle viere von mir streckte.

Wir lagen noch eine Weile so da. Ohne was zu sagen. Ich genoß ihre Nähe und küßte sie, strich mit meinen Händen ihren langen Körper rauf und runter. Und wußte doch, daß es das erst mal war. Ich tauge nicht zum Multificker.

Ich fürchtete mich ein wenig vor dem kommenden Morgen. Hatte keine Ahnung, wie es weitergehen würde. Vielleicht würden wir noch einmal miteinander vögeln. Vielleicht würde sie einfach ihre Sachen packen und gehen. Bevor ich einschlief. dachte ich noch: Was für ein herrlicher Tag! Danke, Charles! Danke, Silke!

Und es war toll, Karl Nagel zu sein! Kein Grund zum Jammern.